In den letzten Wochen und Monaten sieht man es auch bei uns immer häufiger, Landschaft oder Architekturaufnahmen und manchmal sogar Porträtfotos besitzen diesen gewissen Stil, welcher den Bildern mehr Dynamik, Sättigung, Klarheit und Struktur verleiht. Bei den meisten Bildern wird dies durch ein HDR erreicht.  Was aber eigentlich ist ein HDR und warum nutzen so viele Fotografen ein HDR? Dies möchten wir heute mal aus unserer Sicht erklären. HDR oder HDRI steht für „High Dynamic Range (Image)“ und wird als ein Bild mit hohem Dynamikumfang oder auch als Hochkontrastbild bezeichnet. Durch die immer weiter und fast nur noch ausschließliche zur Anwendung kommende Digitalfotografie findet das HDR mehr und mehr Anhänger.

Um jetzt zu erklären, wie ein HDR genau zusammen gesetzt wird, könnten wir einen eigenen Artikel füllen. Kurz zusammen gefasst kann man aber sagen, dass ein HDR eine Aufnahme ist, welche dunkle, kaum sichtbare Bereiche sowie helle Bereiche und dessen Detailreichtum in einem Bild vereint. Der dabei zustande kommende Dynamikumfang und Kontrastumfang kann dabei eigentlich nur von speziellen HDR Monitoren, die keine gleichmäßige, sondern eine einzeln anpassungsfähige Hintergrundbeleuchtung besitzen, angezeigt werden.

Um diesen Nachteil auszugleichen, kommt das so genannte Tone Mapping zum Einsatz. Beim Tone Mapping wird das Bild so verändert, dass es auf normalen Anzeigegeräten wiedergegeben werden kann. Im Vordergrund steht dabei die Eigenschaft, den Detailreichtum und die Helligkeitsunterschiede zwischen dunklen und hellen Bereichen auf einem Bild abzustimmen und anzupassen. HDRs werden eigentlich aus mehreren unterschiedlich belichteten Fotos zusammengefügt. Oft werden diese unterschiedlichen Belichtungen nachträglich aus einer RAW Datei, einem sogenannten „digitalen Negativ“ erstellt und dabei zu einem „Pseudo-HDR“ zusammengefügt.

Im Endergebnis wird somit ein Bild erzeugt, das zum Beispiel in den dunklen Bereichen eines Schattens oder in den hellen Bereichen eines Himmels weder unter- noch überbelichtet ist und noch den gesamten Detailreichtum aller Aufnahmen beinhaltet.

Aufgrund des starken Gegenlichtes der Sonne würde es eine Kamera normaler Weise nicht hinbekommen, den Vordergrund ordentlich abzubilden ohne den Himmel extrem zu überlichten. Ein HDR gleich diesen Nachteil aus.

Das menschliche Auge ist ein extrem sensible Wunderwerk der Natur. Es kann Kontrastunterschiede von bis zu 1:50000 wahrnehmen. Dies ist soviel, dass die heutige Technik noch lange nicht an so einen hohen Kontrast herankommt. Das Ergebnis sieht jeder auf dem Display nachdem er einen eindrucksvollen wunderschön intensiven Sonnenuntergang fotografiert hat. Oftmals sind nicht alle Bereiche des Fotos ausreichend belichtet und die Situation sieht gar nicht so aus wie man sie selber wahrgenommen hat. Es entstehen somit Fotos die nicht dem realen Eindruck entsprechen.

Da ein HDR die tatsächlich vor Ort wirkende Stimmung am realistischsten wiederspiegelt, hat es nichts mit einem immer häufiger fehlinterpretierten künstlerischem Fotoeffekt zu tun. Viel mehr zeigt es ein Motiv so, wie wir es mit unseren Augen tatsächlich sehen. Denn im Gegensatz zu unserem menschlichen Auge, tun sich Kameras auch heute noch schwer, diesen Detailreichtum oder die großen Helligkeitsunterschiede korrekt auf das Bild zu bannen, weshalb es sich bei einem normalen Foto eigentlich um ein LDR-Bild (Low Dynamic Range Image) mit geringem Kontrastumfang handelt. Unser Auge hingegen bekommt es spielerisch leicht hin, bei schwierigen Lichtverhältnissen alle Bereiche stets gut wiederzugeben. So erkennen wir zum Beispiel während der Dämmerung nach dem Sonnenuntergang dunkle Bereiche genau so gut wie helle Bereiche. Nichts ist Fotografisch gesagt unter- oder überbelichtet. Das liegt daran, weil wir von Natur aus im High-Dynamikbereich sehen.

Für eine Kamera hingegen ist es quasi unmöglich den Himmel, bei dem die Wolken von der gerade unter gegangenen Sonne angeleuchtet werden, gut zu belichten, während die noch nicht beleuchtete Dresdner Stadtsilhouette im Dunkeln verschwindet. Die Kontrastunterschiede zwischen dem noch hell strahlenden Himmel und der dunkel erscheinenden Stadt sind dabei so groß, dass es einfach nicht möglich ist, ohne eine Belichtungsreihe ein harmonisch wirkendes Bild zu fotografieren. Ein einfach fotografiertes Motiv mit hohen Kontrastunterschieden wird aus den genannten Gründen nie so aussehen, wie wir es mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Aus diesem Grund muss man zu einigen Hilfsmitteln greifen. Unter anderem kann man die Helligkeitsunterschiede mit einem Verlaufsfilter ausgleichen, allerdings ist dieser Filter nicht sehr genau einsetzbar. Ein HDR hingegen kann man Pixel für Pixel variieren und somit gezielt einsetzen.

Hier ein Beispiel wie sich eine HDR Bearbeitung auf ein Foto auswirkt. Links kam kein HDR zum Einsatz. Der Boden ist gut beleuchtet, der Himmel erscheint allerdings vollkommen überlichtet. Ein HDR gleicht dieses Problem aus sodass alle Bereiche des Motives gleichermaßen belichtet sind.

Der Unterschied ob ein HDR Bild am Ende also natürlich wirkt – man zwar erkennt, dass es anders ist als andere Bilder, weil es einfach mehr Details aufweist – oder einem Bild, welches absichtlicher weise so unreal aussieht, als ob es aus einer Computeranimation stammt, liegt lediglich daran, wie man die vielen Einstellungsmöglichkeiten beim Ton Mapping einsetzt.

Übertreibt man es mit den Tone Mapping Operatoren, entstehen oft zu sehr gesättigte Farben, extreme Detailschärfe oder so genannte HDR Halos, d.h. helle oder dunkle Schatten am Rand von Objekten. Oft ist dies sogar vom Fotografen beabsichtigt wie in unserem Fall bei dem hier zu sehenden Zwingerbild. Findet man das zugegebener Maßen schwierige, richtige Maß, entstehen detail- und dynamikreiche Bilder welche einen Sonnenuntergang naturgetreuer darstellen, als jedes normale Foto.

In unseren Bildern nutzen wir darum oft die Möglichkeit ein HDR zur Anwendung zu bringen. Dabei handelt es sich am Ende jedoch meistens nur um eine HDR „Ebene“, welche mit einer geringen Deckkraft über das normal belichtete Foto gelegt wird und somit „falsch“ abgebildete Bereiche korrigiert. Zugegeben ist es sehr schwierig, das für jeden Betrachter natürliche Maß zu finden. Wie bei vielen Dingen ist es Geschmackssache ob ein Foto nun besser aussieht, wenn Farben und Kontrast recht hoch sind oder ob es doch lieber so bleiben soll, wie man es normalerweise von einem Foto kennt.  Wir persönlich finden es schön einen Farb- und Detailreichtum so wiederzugeben, wie man ihn auf anderen Fotos nicht sieht, um orange Herbstfarben, einen Sonnenunter- oder  -aufgang oder grünes Gras bunt und knallig darzustellen.