Im siebsten Teil unserer Serie „Dresden damals & heute“ gibt es mal keine Fotos von Hermann Krone. Denn diesmal haben wir Aufnahmen eines weiteren bekannten Dresdner Fotografen für unsere Kollagen genutzt. Colmar Walter Hahn war ein Dresdner Fotograf, der durch seine Fotografien der Sächsischen Schweiz sowie Dresden vor und nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg Berühmtheit erlangte. Geboren als Sohn eines Tischlers am 20. April 1889 in Berlin, zog Walter nach dem Tod seines Vaters nach Dresden wo er 1903 seine Schullaufbahn beendete und ein Jahr später seine Lehre als Lithograph begann und 1907 abschloss. Seit der Beendigung seiner Lehre war Hahn in verschiedenen Städten Deutschlands unterwegs, kehrte aber immer wieder in das schöne Dresden zurück.

Schon in den Jahren der Lehrzeit fing Hahn mit der Fotografie an. Durch sein großes Interesse an der Kletterei, waren seine liebsten Fotomotive die Landschaften der Sächsischen Schweiz. Da er nur bei schönem Wetter fotografierte, erreichten auch seine Fotos eine hochwertige Qualität die seinesgleichen suchen. Wie bei vielen heutigen Fotografen, machte Walter irgend wann sein Hobby zum Beruf und verdiente mit seinen Landschaftsaufnahmen seinen Lebensunterhalt. In dieser Zeit wendete Hahn sich immer weiter von der Landschaftsfotografie ab und begann vielmehr die Architektur Dresdens zu fotografieren. Sein wohl schwersten Schicksalsschlag traf Hahn am 17. April 1945. Beim letzten Luftangriff auf das bereits zerstörte Dresden wurde sein Haus zerstört, dabei kam seine Ehefrau ums Leben. Die vielen Bildnegative überstanden die Bombenangriffe bis auf wenige Ausnahmen wie durch ein Wunder fast unbeschadet. Hahn starb nach längerer Krankheit 1969 im Alter von 80 Jahren.

Blick auf den Schloßplatz um 1923:

Das erste Foto in Teil 7 zeigt den Blick von der Treppe der Brühlschen Terrasse auf den Schloßplatz im August 1923. Links im Foto ragt die katholische Hofkirche in den Himmel. Rechts ist das Hotel Bellevue zu sehen. Der Schornstein welchen man auf diesem Foto sieht, stammt vom ehemaligen Staatlichen Fernheiz- und Elektrizitätswerkes. Es war auf den Hermann Krone Fotos bisher nie zu sehen da es erst 1899 erbaut wurde um 18 nahliegende Gebäude mit Wärme und später Energie zu versorgen. Umso schöner, dass man es nun auf diesem Foto sehen kann.

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Leider wurde die gesamte im rechten Bild zu sehende Bebauung bei den Luftangriffen auf Dresden zerstört und nie wieder aufgebaut. Umso beeindruckender, wie nahtlos die heutige Aufnahme mit dem damaligen Foto verschmilzt.

Blick in die Münzgasse um 1917:

Das nächste Foto zeigt den Blick von der Brühlschen Terrasse über die Münzgasse zur Frauenkirche im Jahre 1917. Die heute sehr enge und belebte Gasse war damals nicht so sehr besucht. Lediglich ein paar Kinder spielten zwischen den bürgerlichen Häusern. Die Münzgasse wurde nach der dortigen Münzstätte benannt, hieß aber bis 1849 Große Fischergasse. Nachdem die Treppe zur Brühlschen Terrasse errichtet wurde, baten die Anwohner aufgrund des teilweise schlechten Rufes ihrer Fischergasse um eine Namensänderung. Seit 1849 hieß die Gasse dann Münzgasse.

Diese Gegenüberstellung war etwas kniffelig da die damaligen Gebäude um ein Vielfaches kleiner waren. Somit fiel es uns schwer, die Dächer von alten und neuen Gebäuden sauber ineinander fließen zu lassen. Trotzdem kann sich das Foto doch sehen lassen. smile

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Blick auf den Altmarkt um 1923:

Das dritte Bild von Teil 7 Dresden damals & heute zeigt den Blick von der Kreuzkirche auf den Altmarkt. Deutlich ist die sehr enge Bebauung des historischen Dresdens zu erkennen. Im Jahre 1923 gab es bereits Autos, daher sind einige auf dem Foto zu sehen. Auf anderen Kollagen unserer Serie sucht man diese vergebens, da sie schlicht und einfach noch nicht erfunden wurden.

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Auf dem Foto sind längst vergessene Bauten zu sehen. Links am Horizont ragt ein breiter einzelner Turm in die Luft. Dabei handelt es sich um die 1898 bis 1901 erbaute Jakobikirche welche am Wettiner Platz stand. Die Kirche war der wichtigste neoromantische Kirchenbau der Stadt. In der Nacht des 13. Februar 1945 wurde auch die Jakobikirche stark beschädigt, ihre Ruinen blieben aber noch einige Jahre stehen bis sie 1953 im Zuge der Großflächenenttrümmerung komplett abgerissen wurden.

Eine weiteres Gebäude welches heute nicht mehr existiert ist das links aus dem Bild ragende Telegrafen- bzw. Fernsprechamt. Bei den zwei Türmen handelte es sich in Wahrheit um sogenannte Einleitungstürme in welche die ankommenden Leitungen aus der Umgebung in das Gebäude geführt wurden. Über den Dächern der Stadt spannten sich unzählige Drähte und Leitungen welche alle in dieses Gebäude führten. Auch die Treppenhäuser fanden im inneren der Türme Platz. Wie vielen Gebäuden, wurde auch das Fernsprechamt opfer der Bombenangiffe 1945. Aufgrund des verheerenden Feuersturms brannte das Gebäude vollständig aus. Der östliche Einleitungsturm brach in sich zusammen, der westliche Turm blieb stehen, war aber ebenfalls stark beschädigt sodass das Gebäude 1 Jahr vor dem Abriss der Jakobikirche gesprengt wurde. Dresdens wichtige Telegrafenamt gehörte der Vergangenheit an.

Mittig im Bild ragen die beiden Türme der Sophienkirche in den Dresdner Himmel. Diese Kirche ist schon auf einigen Montagen unserer Serie zu sehen. Die Sophienkirche war ein evangelischer Sakralbau. Das Bauwerk war ursprünglich viel kleiner und wurde über die Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. Am 13. Februar 1945 wurde die Kirche ebenfalls sehr stark beschädigt und brannte vollständig aus. Aufgrund der finanziellen Notlage entschied man sich, die Kirche nicht wieder aufzubauen bzw. innstandzusetzen. Der darauffolgende Winter gab dem maroden Bauwerk den Rest, sodass die Kirche knapp ein Jahr nach ihrer Zerstörung teilweise in sich zusammen fiel. Die Ruine stand dann bis Mitte der 60er Jahre, bevor sie vollständig abgerissen und beseitigt wurde. Ein wahres Dresdner Juwel war verschwunden. Heute erinnert nur noch die als Denkmal errichtete Busmannkapelle an diese wunderschöne Kirche.

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