Die kleineren Diskussionen auf Facebook zu unserem letzten Mondfoto haben wir nun zum Anlass genommen, die Ganze Sache mal etwas detaillierter zu erklären. Wie kommt dieser Große Mond auf unserer letzten Aufnahme zustande und warum ist er eigentlich auch ohne Fake so groß? Das möchten wir euch nun hier einmal ausführlich erklären. Die Aufnahme des Mondaufganges vom Mittwoch dem 16. April 2014 entstand von einem der 173 noch vorhandenen Bismarcktürmen in Deutschland. Glücklicher Weise befinden sich allein 3 davon in der Dresdner Region. Es gibt also mehr Bismarcktürme in unserer Region als von den meisten vermutet. Unser Foto entstand von der Aussichtsmöglichkeit inkl. Bismarckturm in Cossebaude. Bevor unsere Fototour begann, mussten wir aber erst einmal auf diesen Standpunkt kommen. Geplant war so ein Mondaufgangsfoto nämlich schon lange und als wir sahen, dass dieser Abend einer ohne Wolken und mit klarer Luft war, begann die Planung.

Mit der App „Sun Surveyor“ lassen sich Sonnen- sowie Monddaten Sekundenaktuell abrufen. Man kann diese Daten für den aktuellen Standpunkt und die aktuelle Uhrzeit berechnen lassen, oder ein beliebigen anderen Standpunkt samt Uhrzeit angeben um sich zum Beispiel die Zeiten des Mondauf- und Mondunterganges anzeigen zu lassen. Mit dieser App haben wir uns an jenem Tag die aktuellen Uhrzeiten des Mondaufganges ausgeben lassen. Auf einer Karte wurde dann noch die Position angezeigt, an welcher der Mond am Horizont auftauchen würde. Mit dem nun verfügbaren Wissen haben wir dann einen geeigneten Standpunkt gesucht und fanden letztendlich den Bismarckturm in Cossebaude. Die Suche fand auf der Google Maps Karte der App statt. Auf dieser kann man schnell schauen, ob der Standpunkt der richtige ist und ob von diesem Punkt aus gesehen, der Mond an der gewünschten Position aufgeht. Bei dem Bismarckturm in Cossebaude war dies glücklicher Weise der Fall. Denn von dort aus ging der Mond wie von uns gewünscht direkt über der Dresdner Innenstadt auf. Um diesen Bildeffekt zu erzielen, musste die Stadt aber ausreichend weit entfernt sein. Aber dazu mehr im nächsten Absatz. Der Standunkt war also gefunden, nun ging es an das Fotografieren.

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Um diese Aufnahme geht es. Wie wird der Effekt eines solch großen Mondes erzeugt und warum handelt es sich hierbei nicht um einen Fake? Alles eine Frage des Standpunktes und der Brennweite.

Vor Ort angekommen, bauten wir unsere Kamera auf das Stativ und verschafften uns einen groben Überblick über die zu sehende Umgebung. Der Standpunkt befand sich über 9km von der Dresdner Innenstadt entfernt. Eigentlich ist dies sehr schlecht und eher nachteilhaft für ein Foto, bei dem man genau diese Innenstadt fotografieren möchte. Doch in unserem Fall war der Standpunkt so perfekt, dass er gar nicht mehr besser sein konnte, denn wir wollten die Innenstadt mit einem 400mm Objektiv fotografieren und da eine Brennweite von 400mm sehr viel ist, musste der Standpunkt auch sehr weit entfernt sein, damit wir auch alle relevanten Gebäude auf das Foto bekommen.

stadtMit Hilfe der großen Brennweite konnten wir also das Zentrum der Stadt heranzoomen. Der Zoom reichte genau aus, um vom Terrassenufer bis zum Rathausturm alles abbilden zu können. Mehr wäre aber auch nicht möglich gewesen da wir bereits bis zu den vollen 400mm gezoomt hatten. Die Stadt war nun also sehr weit heran gezoomt und erstreckte sich über den gesamten Bildausschnitt. Wir überbrückten somit die tatsächliche Weite und erweckten den Anschein, sehr nah an der Innenstadt zu stehen. Dass es in Wahrheit fast 10km Entfernung waren, ist auf dem Foto nur schwer zu erkennen.

mondDer Mond, der laut den Angaben der App nun im rechten Bereich des Bildes aufgehen sollte, wurde jedoch nun auch mit 400mm sehr stark herangezoomt. Schaut man sich beide Aufnahmen getrennt an, also das Bild der herangezoomten Stadt und das Bild des herangezoomten Mondes, dann wirken beide Aufnahmen nicht sonderlich außergewöhnlich oder unnatürlich. Erst beide Aufnahmen vereint, ergeben diesen faszinierenden Effekt. Hierbei wurde an dem Foto aber nichts verändert. Der Mond wurde weder vergrößert, noch die Stadt verkleinert. Wir warteten einfach ab bis er am Horizont aufging und drückten den Auslöser.

Allein der Gedanke, dass es einen solch großen Mond ja in Wahrheit gar nicht geben kann, veranlasst einige Leute, ein solches Foto zu hinterfragen. Dies ist aber auf jeden Fall verständlich da viele nicht wissen wie man ein solches Foto auch ohne Fake erschaffen kann und darum möchten wir in diesem Artikel das Phänomen erklären, denn man darf bei allem Zweifel nicht vergessen, dass diese Aufnahme mit einer Brennweite von 400mm und einer großen Entfernung zur Innenstadt entstanden ist.

PIX_2529Die Beulen und Dellen im Mond kommen übrigens durch die sogenannte atmosphärische Refraktion zustande. Diese bezeichnet die Brechung eines Lichtstrahles in der unteren Atmosphäre, welche durch unterschiedliche Lufttemperaturen zustande kommt.  (Quelle: Wikipedia) Die Aufnahme links zeigt den Mond an diesem Abend in einer größeren Auflösung. Deutlich sind die Refraktionen zu erkennen.

mond-kleinerDie Montage Links zeigt, wie sich viele Menschen einen natürlichen Mondaufgang vorstellen. Dies wäre auch der Fall, wenn wir den Mond mit einer geringen Brennweite fotografiert hätten, dabei hätten wir aber die Innenstadt nicht ausreichend groß bekommen. In diesem Beispiel wäre die Stadt mit 400mm fotografiert wurden und der Mond mit ca. 24mm. Es wirkt vielleicht natürlicher, wäre aber ein vollkommener Fake gewesen.

Als um 19:37 Uhr der Mond exakt an der von der App berechneten Punkt langsam am Horizont auftauchte, war die Freude bei uns riesig. Das Wetter passt, die Luft war sehr klar und nun ging auch noch ein blutroter „fast“ Vollmond genau am richtigen Punkt vor uns am Horizont auf. Durch den Standpunkt, die richtige Entfernung und einer großen Brennweite kann jeder ein solches Foto verwirklichen. Wichtig hierbei sind nur eine Idee und die dazugehörige gute Planung.

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