Schon lange haben wir über die Anschaffung eines Objektivs mit sehr hoher Brennweite nachgedacht. Vor einigen Wochen entschieden wir uns dann, ein Maksutov 1000 mm zu kaufen. Das Objektiv ist unter dem offiziellen Namen “Maksutov 1000” aber eher unbekannt. Man kennt es eher unter dem liebevollen Spitznamen “Russentonne”. Vor einigen Tagen hatten wir dann endlich die Gelegenheit, das Objektiv zum ersten mal ausgiebig zu testen. Das Wetter war schön, die Luft klar und ein großer Vollmond sollte am Horizont aufgehen. Doch mit einem 1000 mm Objektiv eignet sich nicht jeder Fotostandort. Denn unser Ziel war es, den aufgehenden Mond hinter einem schönen bekannten Bauwerk zu fotografieren. Also begann die mühevolle Suche nach einem geeigneten Fotostandort.

Mit diversen Apps prüften wir einige Standorte die in Frage kommen würden. Letztendlich wurden wir an einer schmalen Landstraße in der Nähe des Barockgarten Großsedlitz fündig. Von dort aus hatten wir einen freien Blick auf die in 12,43 Kilometer entfernte am Horizont liegende Festung Königstein. Laut den Berechnungen der App „PlanIt! for Photographers“, müssten wir die Festung mit 1000 mm Brennweite gerade so in den Bildausschnitt bekommen. Der Vollmond sollte dann am 19.04.2019 um 20:07 Uhr aufgehen und um 20:14:30 Uhr exakt mittig hinter der Festung Königstein stehen. Dabei war es sehr wichtig, dass wir exakt an dem von der App bestimmten Standort standen. Das untere Foto zeigt, wie die App den Blick zur Festung sowie den aufgehenden Mond simuliert hat. Unser Ziel war es, den Mondaufgang mittig hinter der Festung Königstein zu fotografieren. Durch die 1000 mm Brennweite würde dieser sehr groß und buchstäblich surreal im Vergleich zur Festung Königstein sein. Das Ganze wollten wir jedoch nicht bearbeiten oder aus mehreren Fotos zusammen setzen, sondern tatsächlich so fotografieren. Wir machten uns dabei das optische Prinzip der Perspektivischen Verkürzung, durch hohe Brennweiten zu Nutze. Durch die Hohe Brennweite wird das gesamte Bild stark vergrößert. Würden wir nur den allein hoch am Himmel stehenden Mond fotografieren, würde dieser nicht weiter spektakulär aussehen, sondern er wäre einfach ein den Bildausschnitt ausfüllender Vollmond, der hoch am Himmel steht. Baut man das Bild aber so auf dass man etwas Boden drauf hat und das Auge einen Referenzpunkt zum Größenvergleich bekommt, entsteht dieser zugegebener Maßen surreale Effekt. Um die gesamte Festung Königstein trotz der 1000 mm Brennweite aufs Foto zu bekommen, mussten wir uns dementsprechend weit weg positionieren. In diesem Fall ganze 12,4 km. Wir positionierten also die Kamera und legten eine Decke sowie Getränke und Knabberzeug aus. Dann hieß es warten…

Während die Sonne langsam am Horizont unterging, stellten wir die Kamera so genau wie möglich ein. Die Russentonne hat keinerlei Elektronik verbaut und funktioniert noch komplett manuell. Sie besitzt sogar nicht einmal Linsen sondern lediglich ein paar Spiegel und ist daher eigentlich ein sogenanntes Maksutov-Reflektor Teleskop, welches wir als Objektiv an unsere Kamera schrauben können. Wir mussten also das Bild manuell scharfstellen. Da es noch hell war und wir auch genügend Zeit eingeplant hatten, fiel uns dies das manuelle scharfstellen jedoch sehr leicht. Nach wenigen Minuten war das Bild scharf gestellt und die Kamera war bereit. Aufgrund der eher schlechten Lichtempfindlichkeit der Russentonne, entschieden wir uns für eine Belichtungszeit von 1/30 Sekunden und einen ISO Wert von 1600. Da das Objektiv keine direkte Blende besaß, mussten wir dort auch nichts einstellen. Sie beträgt aber ca. 8-10. Die Belichtungszeit konnten wir nur daher so kurz wählen, weil die Sonne kurz vorher erst untergegangen war und die gesamte Landschaft noch vom Licht der Blauen Stunde erhellt wurde.

Nun mussten wir nur noch auf den Mond warten. Die Spannung war sehr groß, denn wir wussten nicht, ob wir den korrekten Standort erwischt haben. Schon 50 Meter weiter links oder rechts und der Mond wäre nicht dort aufgegangen, wo wir ihn für das Foto gebraucht hätten.

Um 20:14 Uhr tauchte dann auf dem Kameradisplay ein kleiner Strich auf. Mit bloßem Auge konnten wir noch nichts erkennen, doch auf dem Display sah man deutlich, wie der Mond langsam am Horizont auftauchte. Zu unser aller Überraschung, ging er exakt mittig hinter der Festung Königstein auf. Wir standen also auf den Meter korrekt und waren mal wieder erstaunt, wie gut die App funktionierte. Sie hat uns ja zur Mondfinsternis im Sommer 2018 schon sehr gute Dienste erwiesen und auch diesmal traf genau das ein, was die App vorher schon gewusst und angezeigt hat. Einfach genial was damit alles möglich ist.

Es sei noch zu erwähnen, dass wir das Foto in Photoshop dann noch etwas zugeschnitten haben. Auch den Mond sowie das gesamte Bild mussten wir noch etwas aufklaren da es durch die dunstige Luft sowie die große Entfernung nicht so schön klar gewesen wäre. Am meisten machte uns allerdings das flackern der Luft zu schaffen. Durch den warmen sonnigen Tag war die Landschaft stark erhitzt. Die untergehende Sonne sorgte dann für eine kühlere Luftschicht. Diese flackerte nun sehr stark über der noch warmen Landschaft und bei 1000 mm Brennweite fiel dieses Flackern extrem auf. Es sorgte sogar für eine sichtbare Unschärfe auf dem gesamten Foto. Lediglich die Bereiche über der Festung waren durch das geringere Flackern auch etwas schärfer.

Trotzdem kann sich das Foto doch sehen lassen oder? Bei der nächsten Gelegenheit wollen wir das Zusammenspiel zwischen ISO Wert und Belichtungszeit noch weiter verfeinern. Wenn ihr noch Fragen zur Entstehung habt, dann ab in die Kommentare damit.

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