Ein Abend in Ferropolis – Die Stadt aus Eisen

16. Mai. 2011 | Blog, Fotoberichte | 10 Kommentare

Lesezeit ca. 8 Minuten

Vor einigen Wochen sprachen wir mit Kim über vergangene Fototouren und was wir schon alles so erlebten. Als wir über unsere nächtlichen Touren und den dort entstandenen Fotos sprachen, hatte Kim die Idee doch mal einen nächtlichen Fotoausflug auf das Festivalgelände von Ferropolis zu machen. Ursprünglich befanden sich an dieser Stelle die Werkstätten, Energieversorgungseinrichtungen und Sozialanlagen des Tagebaues Golpa-Nord. Nach dem Ende des Braunkohlebergbaus in diesem Gebiet wurden hier fünf Großgeräte in einem Freilichtmuseum zusammengeführt. Da wir diese Idee super fanden, entschlossen wir uns Kontakt mit dem Ferropoilis-Team aufzunehmen, um uns auf die Spuren von über 7000 Tonnen Industriegeschichte zu begeben.

Nach wenigen Mails und einem kurzen Telefonat bekamen wir die Erlaubnis, uns auch nach den Öffnungszeiten auf dem Gelände aufzuhalten, um dort Fotos zu machen. Wir hatten von Anfang an eigentlich vor dort ein paar Nacht,- und Sternspuraufnahmen zu verwirklichen. Wichtig war nur, dass wir an einem Wochenende Fotos machen, an dem kein Festival stattfindet und an dem das Wetter mit spielt. Nachdem wir die Wettervorhersage grob abschätzen konnten, entschlossen wir uns den Fototermin auf den 14.05.2011 zu legen. An diesem Samstag fand keine Veranstaltung statt und das Wetter sollte laut Vorhersage, die wir 3-4 Tage vorher anschauten auch gut werden, sodass wir ein paar schöne Sonnenuntergangs- und Nachtfotos geplant hatten. Am Samstag Morgen waren wir noch sehr optimistisch einen schönen Tag mit Sonnenschein und klarem Himmel zu bekommen, der Wetterbeicht sprach von einem leicht bewölktem aber sonst klaren Tag, an dem es erst gegen 23Uhr leicht mit Regnen anfangen sollte. Wir trafen uns also gegen 16:30 Uhr und machten uns auf den Weg in das knapp 190 Kilometer entfernte Gräfenhainichen. Im Radio hörten wir dann schon die ersten Wettermeldungen, die uns eigentlich gar nicht passten. Es wurde eine Unwetterwarnung vor Gewitter, Starkregen und Hagelschauer für den Raum Leipzig raus gegeben. Um nicht alles abblasen zu müssen, fuhren wir einfach auf gut Glück weiter und ließen uns vom Wetter nicht weiter stören.

In Gräfenhainichen angekommen war der Himmel zwar weitgehend bedeckt, ein paar schöne Fotoideen hatten wir aber trotzdem im Kopf. Wir bekamen den Schlüssel für das Festivalgelände übereicht und durften uns nun den ganzen Abend auf dem Gelände aufhalten, beim verlassen sollten wir nur die Zufahrtsschranke abschließen und den Schlüssel hinterlegen.

Vielen Dank nochmals an das Team von Ferropolis für die Hilfe, den netten Kontakt und das Vertrauen.

Gegen 19 Uhr hatte Ferropolis offiziell geschlossen und wir waren mit Kim ganz allein auf dem riesigen Festivalgelände. Wir schauten uns in Ruhe alles an und klapperten jeden einzelnen Bagger ab, um nach schönen Fotostandpunkten zu suchen. Während die noch am Horizont selten zu sehende Sonne weiter unter ging und sich der Tag dem Ende neigte, zogen weitere Wolken auf und der Himmel war bald komplett bedeckt. Es dauerte auch nicht mehr lange und es fing leicht an zu regnen – gerade als wir uns unter einem der Bagger befanden.

Nachdem der Regen immer heftiger wurde, entschlossen wir uns unter einem der Bagger Schutz zu suchen. Der Eimerkettenbagger “Mad Max” hatte viel Platz unter sich wo wir in gemütlicher Runde den Regenschauer abwarten konnten. Über eine Stunde saßen wir unter dem 1250 Tonnen schweren Gerät und genossen bei einigen Gesprächen den Blick über den Greminner See. Am anderen Ufer wurden sogar 2 kleinere Feuerwerke gezündet welche wir ab und zu aufblitzen sahen. Nachdem der Regen nachgelassen hatte, liefen wir noch oft querbeet über das Gelände und fotografierten mal hier und mal da bis es schon fast komplett dunkel war.

Der Schaufelradbagger "Big Wheel" bei Nacht.Der große Schaufelradbagger mit dem passenden Namen “Big Wheel” war unser Lieblingsmotiv an diesem Abend. Er gehörte mit einem Baujahr von 1984 zu den jüngsten Geräten auf dem Gelände, war allerdings mit einem Gewicht von 1718 Tonnen eines der schwersten Maschinen auf Ferropolis. Mit seinen 31 Metern Höhe sowie 74,5 Metern Länge bewegte er sich allerdings im Mittelfeld der auf dem Gelände befindlichen Tagebaugroßgeräten. Da es schon sehr dunkel war, leuchteten wir bei unseren Fotos die Bagger mit unseren Taschenlampen an. Der Begriff “Lichtmalerei” bekam an diesem Abend eine völlig neue Bedeutung. Denn auf Befehl von Patrick leuchteten Kim und Marcel mit ihren beiden 1000 Lumen hellen Taschenlampen die Bagger an und malten sie mit den fokussierten Punkten regelrecht mit Licht aus. Auf dem Foto sah es später dann so aus, als wäre der Bagger in Betrieb gewesen da er teilweise Nachts anscheinend von selbst Licht ausstrahlte. Diesen Effekte erhöhten wir indem wir nachträglich per Bildbearbeitung am Bagger die Lampen einschalteten.

(EXIF Daten Foto oben: Belichtungszeit: 120 Sekunden, Blende: f11.00 ISO-Wert: 100)

Zu später Stunde und als es schon vollkommen dunkel war, machten wir uns noch einmal auf den Weg zum Greminner See. Dort stellten wir die Kamera knapp über das Wasser und ließen sie knapp 5 Minuten belichten. Diesmal ließen wir die Taschenlampen aus, wodurch das Restlicht der Abendsonne den Himmel in einen warmen Farbton tauchte. Die schnell am Himmel langziehenden Wolken zauberten diesen Schleierhaften Effekt auf das Foto. Auf dem Bild sind die 3 Bagger “Mad Max” (links), “Mosquito” (Mitte) und “Gemini” (Rechts) zu sehen. Hinter “Mad Max” sieht man noch etwas den Absetzer “Medusa”. Ganz rechts ragt teilweise der Schaufelradbagger “Big Wheel” ins Bild.

(EXIF Daten Foto oben: Belichtungszeit: 300 Sekunden, Blende: f4.00 ISO-Wert: 100)

Nachdem wir dieses Foto machten, begaben wir uns langsam zurück zum Auto. Was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht haben war, dass wir durch unsere Taschenlampen mit denen wir vorher lange Zeit die Bagger anstrahlten, die Aufmerksamkeit des für Ferropolis zuständigen Sicherheitsunternehmen auf uns zogen. So kam plötzlich ein Auto zügig auf uns zu gefahren und blendete uns ununterbrochen mit dem eingeschalteten Fernlicht. Als es dann neben uns stehen blieb, fuhr das Fenster herunter und eine einzige Frage durchdrang die Nacht. “Was macht ihr denn hier?” Schnell erklärten wir den netten Herrn, dass wir die Erlaubnis haben in Ferropolis zu fotografieren und dass wir den Schlüssel dabei haben, um später die Schranke zu schließen. Sofort war die Begeisterung bei ihm geweckt und er wollte gleich die Bilder sehen. Er erzählte uns, dass er auch sehr gern fotografiert und so entwickelte sich ein nettes Gespräch. Nachdem wir ihm dann sagten, dass wir langsam losmachen würden, meinte er noch das wir ruhig noch etwas bleiben können, da das Wetter schöner werden sollte. Der Regen sowie die Wolken verhießen aber gar nichts Gutes und so entschlossen wir uns in Ruhe den Heimweg anzutreten.

(EXIF Daten Foto oben: Belichtungszeit: 20 Sekunden, Blende: f8.00 ISO-Wert: 100)

(Quelle: Ferropolis.de)

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10 Kommentare

  1. Ich glaub die Kim hat ein Tamron-Objektiv ^^ Der goldene Ring müsste es verraten haben 🙂

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  2. Haste Recht, ist ein Tamron-Objektiv 🙂 Hat mir gute Dienste geleistet an dem Abend.

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  3. Tamron Objektive sind doch klasse. Preisgünstig (im verhältnis gesehen) und knacke scharf je nach Modell. Natürlich kommste nicht an ein L ran aber kommt wie so immer auf den Einsatz drauf an. Für Landschaft reicht ein gutes Tamron allemal aus und man kann sich gleich 2 Modelle (ua. ein Tele + WW) kaufen anstatt 1 L-Objektiv 🙂

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  4. Glück gehabt mit dem Sicherheitsdienst, kenne da auch schlechtgelaunte Leute, gerade in den Nachtschichten… und ohne schriftliche Erlaubnis darf man dann schnell mal auf die Polizei warten…
    Wobei ich bei Sternenbahnen wesentlich häufiger mit Jägern oder der Bundespolizei (ehem. BGS) zusammenstoße – die mit den Federn am Hut meinen ich dürfte mich nicht Nachts um 2 Uhr auf einem Feld aufhalten, die mit der Uniform und Hand an der Waffe hielten mich meist für einen Schleuser… immer wieder schön, wenn 2h Aufnahme hinüber sind, weil die Autos irgendwie immer so gestellt werden, dass die Scheinwerfer genau in die Linse strahlen.
    Aber tolle Aufnahmen, die Bagger haben schon Flair 🙂
    Lichteffekte hab ich bisher meist mit Aufsteckblitzen generiert, manuell mit Testblitz aus der Hand, klappt auch ganz gut. Bei Taschenlampen hätte ich jetzt befürchtet, dass man die Strahlenbahn im Bild sehen würde?

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  5. Solche krassen Geschichten haben wir zum Glück noch nicht erlebt. Die strahlen der Taschenlampen konnte man mit dem Auge erkennen, aber auf dem Bild sieht man sie zum Glück nicht. Vorteil an den Lampen war, das wir störende Schatten vermeiden konnten indem wir den Standpunkt der Lichtquelle immer wieder geändert haben.

    @ René: Ja das Objektiv von Tamron war schon echt gut. Aber hey, das L ist auch toll. 😀

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  6. Feine Fotos vom imposanten Ex-Tagebaugroßgerät… ferropolis hat aber nix mit dem F60-Besucherbergwerk zu tun, oder? Das müsste doch auch da irgendwo in der Nähe sein, wenn ich mich recht erinner

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  7. Hi Thomas, also das F60 Besucherbergwerk liegt in der Lausitz. Da waren wir auch schon mal. Außer es gibt noch eins. ^^ Aber ich denke du meinst das hier: http://www.f60.de/

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  8. Ja, hab’s verwechselt, F60 ist bei Großräschen, nicht Gräfenhainichen (klang nur irgendwie auch so nach Lausitz ;))

    Lohnt sich F60 zum anschauen?

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  9. Waren da mal zu einer Führung und durften auf das Teil drauf. War schon ganz witzig da F60 um einiges größer ist als die Teile in Ferropolis. Hab ich zumindest so in Erinnerung.

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