Herbstzeit bedeutet Nebelzeit in Dresden. So beschrieben wir den diesjährigen Herbst in unserem letzten Fotobericht. Vor einigen Tagen war es dann schon wieder soweit. Ein erst eher trist beginnender Herbsttag entwickelte sich dann zu einem für uns doch recht schönen Abend. Dabei entstand dann relativ spontan unser neues Foto “Goldener Reiter im Nebel”.

Schon am Nachmittag fiel uns auf dem Heimweg auf, dass sich aus Richtung Freital ein Nebelband auf Dresden zubewegte. Der viele Nebel in der Stadt war relativ ungewöhnlich. Normalerweise gibt es direkt in der Innenstadt selten Nebel, da sich die meisten Nebelbänke im Dresdner Umland bilden und es selten bis in die Innenstadt schaffen.

Nachdem wir unsere tägliche Runde zur Post gemacht hatten, um alle verkauften Dresden Kalender zu verschicken, entschieden wir uns flink nachhause zu fahren, um unsere Kamera zu holen. Wir wollten einfach mal in der Stadt schauen ob sich ein tolles Nebel Motiv ergibt. Wenn uns nichts vor die Linse kommt, so sind wir wenigstens etwas gelaufen.

Einbruch im Grünen Gewölbe

In der Stadt angekommen war schon die gesamte Innenstadt in ein dichtes Nebelkleid gehüllt und es herrschte eine gespenstige Stimmung. Wir parkten unser Auto am Zwinger und begannen unseren fotografischen Spaziergang durch die Stadt. Schnell fiel uns die ungewöhnliche Dunkelheit rund um den Theaterplatz auf.

Wir hatten zwar vom Kunstraub des Grünen Gewölbes gehört und diesen auch intensiv in den Medien verfolgt, dass der abgebrannte Stromkasten an der Augustusbrücke für einen Stromausfall der Beleuchtung rund um den Theaterplatz sorgte, hatten wir allerdings gar nicht mehr so richtig auf dem Schirm. Die Semperoper, teile des Zwingers und die Hofkirche waren dunkel und verschwanden komplett im Nebel. Es ergab sich also kein schönes Fotomotiv.

Nachdem wir uns kurz am Grünen Gewölbe umsahen und rätselten wie es möglich war völlig unbehelligt durchs Fenster in die Schatzkammer des Grünen Gewölbe einzubrechen und binnen Minuten wieder zu flüchten, entschieden wir uns eine kleine Runde durch die Stadt zu laufen.

Spaziergang durch die Altstadt

Unsere Runde ging durch den Zwinger, vorbei am Theaterplatz bis zum Neumarkt, wo wir einen kurzen Halt machten, um am Neumarkt Abendbrot zu essen.
Auf dem Rückweg zum Auto und einer eher mageren Fotoausbeute trafen wir dann Kenny.

Zusammen entschieden wir uns noch einmal zum Goldenen Reiter rüber zu laufen und dort die Nebelstimmung zu begutachten. Den goldenen Reiter haben wir in den letzten Jahren irgendwie viel zu selten fotografiert und auch noch nie bei Dunkelheit. Es war als höchste Zeit das mal zu ändern. Wir wollten mal schauen ob man ihn bei Dunkelheit und Nebel ins richtige Licht rücken kann.

Goldener Reiter im Nebel

Beim Weg über die Carolabrücke merkten wir erstmal wie dicht der Nebel mittlerweile schon war. Es war als würde man über eine Wolkenbrücke laufen da der Blick in Richtung Goldener Reiter komplett im Nebel verschwand. Lediglich die Laternen der Augustusbrücke leuchteten uns den Weg zum Ziel. Das Wasser der Elbe und die gesamten Wiesen sowie die beleuchtete Stadtsilhouette verschwanden nach und nach komplett in der vernebelten Dunkelheit.

Am Goldenen Reiter angekommen, nahmen wir schon auf der Verkehrsinsel mitten auf der Straße die hell leuchtenden Scheinwerfer rund um den goldenen Reiter wahr. Diese beleuchteten den König von allen Seiten und ließen ihn in einem wunderschön goldenen Schein erstrahlen. Beim vorbei gehen erkannten wir den erwünschten Effekt, denn die Scheinwerfer warfen einen eindrucksvollen Schatten des Reiters in den Nebel. Nur die Perspektive gefiel uns nicht so richtig, da der goldene Reiter quasi aus der Bild rausschaute und wir direkt auf den dicken Hintern des Pferdes blickten.

Ohne erst die Kamera und das Stativ aufzubauen liefen wir einmal um das Reiterstandbild herum und positionierten unsere Kamera dann genau so davor, dass er dieses Mal auf uns zugeritten kam und sein Pferd sogar direkt in die Kamera blickte. Besser ging es nicht. Das einzige Problem war eine störende Laterne im Hintergrund, welche sich direkt neben dem Kopf von August des Starken befand.

Nach minutenlangem hin und her laufen und hoch und runter stellen des Stativs, hatten wir dann endlich einen Punkt gefunden um die Straßenlaterne genau hinter der Schulter zu verstecken. Auch den Flutscheinwerfer konnten wir so verstecken, dass er die Schatten des Reiters direkt auf uns zu warf. Routiniert nahmen wir ein paar Fotos auf und machten auch wieder Belichtungsreihen, um die hellen goldenen Bereiche des Reiters etwas abzudunkeln und dunkle Bereiche im Schatten aufhellen zu können.

Durch den dicken Nebel warf das helle Licht der Scheinwerfer eindrucksvolle Schatten. Dieser Effekt tritt umso stärker auf, wenn sich die Lichtquelle direkt hinter dem zu fotografierenden Objekt befinden. Die Strahlen liessen den Goldenen Reiter noch eindrucksvoller erscheinen. Wir wählten einen ISO Wert von 100, eine Blende von f 8.00 sowie eine Brennweite von 70 mm. Da wir eine Belichtungsreihe machten, lag die Belichtungszeit zwischen 2 und 8 Sekunden.

Goldener Reiter im Nebel

Während wir unsere Fotos machten, unterhielten wir uns noch einmal über den Kunstraub im Grünen Gewölbe. Wir plauderten so über die Lange Zeit, welche die geraubten Stücke bereits überstanden haben. Sie überlebten mehrere Kriege und zwei Weltkriege und waren schon so lange ein Teil unserer Stadt und daher von unschätzbarem Wert für Dresden und Sachsen. Wie kann es möglich sein das sie heute, wo doch alles viel besser geschützt sein müsste, einfach gestohlen werden können?

Während der im Nebel strahlende goldene Reiter uns dabei so anschaute, konnte man fast glauben er würde im Schein des Lichtes zum Leben erwachen und sich seine Schätze zurückholen. Auch er hat bereits schon viel mit gemacht und existiert schon so unglaublich lange Zeit.

Das 1736 enthüllte Denkmal zeigt den Kurfürsten und polnischen König August des Starke in Richtung polnischen Königreich blickend. Er überstand ebenfalls bereits mehrere Kriege und hat bereits so viel erlebt. Mal kletterten Jugendliche auf das Denkmal und brachen Augusts Goldschwert ab, ein anderes Mal rissen Unbekannte dem Löwen im Sockel die Zähne heraus. Doch seit diesem Herbst erstrahlt er wieder im alten Glanz. Hoffen wir das er uns noch lange erhalten bleibt.

Nachdem wir alle Fotos gemacht hatten, machten wir uns wieder auf den Heimweg. Das fertige Bild zeigten wir dann am nächsten Tag bei Facebook wo wir ein sehr schöner und passender Kommentar zum gesamten Tag in Dresden bekommen haben. „Man kann Dresden vielleicht seine teuren Klunker stehlen, aber nicht seinen Glanz“

In diesem Sinne hoffen wir einfach das Beste und vielleicht wendet sich ja alles noch zum Guten.

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