Lange haben wir auf ihn gewartet, heute war es dann endlich soweit. Der größte Vollmond seit 1948 sollte am Abend des 14.11.2016 gegen 16:47 Uhr über Dresden aufgehen. Da sich solche Himmelsereignisse schon lange vorhersagen lassen, konnten wir uns schon einige Tage vorher Gedanken über eine passende Perspektive machen. Der Wetterbericht stimmte uns zuversichtlich dass wir an diesem Abend keine Wolke am Himmel und eine relativ klare Sicht haben würden. Über Google Maps und der Foto App „Sun Surveyor„, mit deren Hilfe wir den aktuellen Mondverlauf auf der Google Maps Karte einblenden konnten, machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Fotostandpunkt.

Diesmal wollten wir die Optischen Gesetze der Fotografie mal richtig auf die Spitze treiben und bauten uns eine spezielle Kamerakonfiguration zusammen. Zum Einsatz kam unsere Olympus OM-D EM-1 und unser Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM Objektiv, welches wir mit dem Canon Extender EF 2x III und einem Adapter an unserer Olympus befestigten konnten. Durch den Crop Faktor von 2 und dem 2x Converter, konnten wir die Brennweite von 200mm auf optische 800mm steigern. Solch eine riesige Brennweite erforderte einen Fotostandpunkt, welcher sehr weit von der Dresdner Innenstadt entfernt sein musste. Denn unser Ziel war es, den „Supermond“ über Dresden aufgehen zu lassen. Uns war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, das wir vermutlich einiges Kommentare erhalten werden, dass dieses Foto nur ein Fake sein kann. Aber das ist es nicht, dazu später mehr…

Um sicher zu stellen, dass unsere spezielle Kamerakonfiguration überhaupt scharfe Fotos schießt, testeten wir das Ganze einen Abend zuvor auf dem heimischen Balkon am hoch am Himmel stehenden Mond. Das Ergebnis hätte zwar etwas schärfer sein können, sah aber trotzdem gut aus. Unten ist dieser Versuch zu sehen.

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Nachdem wir unsere Ausrüstung abgesegnet hatten, suchten wir uns noch einen endgültigen Fotostandpunkt heraus. Unter Berücksichtigung der Brennweite mit der wir fotografieren wollten, entschieden wir uns einen Standpunkt am „KIM Hotel im Park“ in Dresden Pennrich aufzusuchen. Dort hatten wir an einem angrenzenden Feld genug Spielraum den Fotostandpunkt einige Meter nach links oder rechts zu verändern, um den Mond in die richtige Position zu bekommen. Wo der Mond aufgehen würde, konnten wir Dank der App Sun Surveyor ziemlich genau vorhersagen.

Beim aufbauen unserer Kamera erlitten wir dann einen kleinen Schock. Als wir am Abend zuvor unsere Kamerakonfiguration testeten, holten wir unser Stativ aus dem Kofferraum in unsere Wohnung… und genau dort stand es auch später noch. Die Ernüchterung war groß, als wir befürchteten wegen einer Schusseligkeit unser Wunschmotiv nicht umsetzen zu können. Schnell schoss uns jedoch unser „Zweitstativ“ in den Kopf, welches wir irgendwann mal für die Olympus geholt hatten. Dieses war zwar etwas wackelig, aber immerhin besser als gar keins. Es lag glücklicherweise noch im Kofferraum des Autos.

Nachdem die Ernüchterung in Freude überging, kam der nächste Schock… Auf dem Stativ war kein Kugelkopf. Aus irgendeinem Grund haben wir diesen mal abmontiert und zuhause deponiert. Da wir aber wussten, dass auf so einem Stativ ein kleiner Gewindeadapter für verschiedene Kugelköpfe oben drauf ist, konnten wir die Kamera auch direkt ohne einen Kugelkopf auf dem Stativ montieren. Die Kamera wäre dann zwar etwas steif, aber die Ausrichtung könnten wir ja über die Stativbeine etwas steuern. Nachdem die Kamera nun auf dem Stativ angebracht war und wir die Ausrichtung nur über das aus- oder einfahren der Stativbeine eingestellt hatten, ging es an die ersten Testfotos.

Wir wissen nicht warum, aber an diesem Abend war der Wurm drin. Das erste was uns die Kamera nach dem Test Foto anzeigte, war die Meldung „Keine Speicherkarte“. Verdammt… beim Runterladen der Testfotos am Abend zuvor, hatten wir neben dem Stativ auch unseren Kabelauslöser und die Speicherkarte zuhause vergessen. Doch so schnell wollten wir uns nicht geschlagen geben. Glücklicherweise hatten wir auch den Kamerarucksack unserer Canon Kamera dabei. Und diese hatte aus Sicherheitsgründen eine CF Speicherkarte und eine noch nie verwendete SD Speicherkarte eingesteckt. Wir steckten also schnell die Karten um, starteten die W-LAN Verbindung der Olympus und konnten so nun auch ohne Kabelauslöser über die Smartphone-App verwacklungsfreie Fotos machen. Der Abend war gerettet. smile

Wenige Minuten später war es dann schon so weit. Der Mond ging fast genau an vorhergesagter Position auf. Wir mussten unseren Standpunkt nur um wenige Meter anpassen und hatten so den optimalen Bildausschnitt. Da die Sonne nur ca. eine halbe Stunde vor Mondaufgang unter gegangen war, mussten wir auch gar nicht so lange belichten, um die Stadt angenehm hell zu bekommen. Durch diese nicht zu lange Belichtung war es uns auch möglich, den Mond nicht überbelichten zu lassen.

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Die Kamera hatten wir dabei auf einen ISO-Wert von 200 eingestellt. Die Belichtungszeit lag bei 2,5 Sekunden. Bei der Blende sind wir uns nicht so sicher. Durch die Verwendung des Adapters wurde die Kommunikation zwischen der Kamera und dem Objektiv unterbrochen. Die Blende war deshalb  zwangsläufig auf die offenste Blende von 2.8 eingestellt. Der 2x Converter verdoppelt jedoch nicht nur die Brennweite, sondern auch die Blende. Wir vermuten daher eine Blende von 5.6 bei diesem Bild.

Als das Bild dann schlussendlich im Kasten war, freuten wir uns riesig nun doch noch ein gutes Foto gemacht zu haben, nachdem doch anfänglich so ziemlich alles schief gegangen war was schief gehen konnte. Anschließend machten wir uns gemütlich auf den Heimweg und bearbeiteten das Bild nochmal um ihm nach unserem typischen DDPix Stil den letzten Feinschliff zu verpassen. Bei der Bearbeitung legten wir aber den größten Wert darauf, nichts am Bildinhalt zu verändern. Der Mond hat im endgültigen Bild exakt dieselbe Größe und Position wie auf dem Originalbild. Lediglich die Klarheit, der Kontrast und die Dynamik wurden angepasst, wie es bei unseren Bildern üblich ist.

Bei Facebook sorgte dieses Bild wieder für viel Wirbel. Die meisten Leute fanden es toll und waren erstaunt. Einige unterstellen und jedoch völlig unberechtigter Weise eine Fake. Der Mond sei viel zu gelb und zu groß und generell kann das ganze Bild nur zusammenmontiert sein, da der gesamte Inhalt nicht übereinstimmt. Eigentlich müssten wir auf solche Kommentare gar nicht weiter eingehen, wir möchten jedoch jedem Zweifler gern näher erläutern wie genau das Bild entstanden ist.

Das Foto ist von einem Feld in Dresden Pennrich entstanden, welches ca. 7km von der Dresdner Innenstadt entfernt ist! Wir haben quasi den gesamten Bildinhalt mit einer Brennweite von ca. 600mm heran gezoomt. Mond und Innenstadt wurden deshalb enorm vergrößert. Theoretisch hätten wir auch ein sehr hoch aufgelöstes Weitwinkelfoto machen können. Aus diesem hätten wir dann ein Bildausschnitt herausschneiden können welches das oben zu sehende Motiv zeigt. Denn das Ergebnis wäre am Ende das selbe gewesen. Wir haben aber das Motiv direkt sehr nah herangezoomt und dann erst den Auslöser gedrückt. Das unser Bild nicht so wirkt wie man es mit dem bloßen Auge sieht, ist einfach zu erklären. Unser Menschliches Auge sieht mit einer Brennweite von ca. 50mm. Der Mond wirkt gesehen deshalb bedeutend kleiner als auf unserem Foto. Schaut man jedoch durch ein Fernglas auf den Mond, so wird die Brennweite des Auges soweit erhöht, dass der Mond und die gesamte Kulisse – in unserem Fall die Stadt Dresden – erheblich größer erscheint. Und genau diesen Effekt haben wir bei unserer Kamera genutzt. Mit unsere 600mm Brennweite zoomten wir faktisch den gesamten Bildinhalt aus 7km Entfernung heran. Die normal sehr winzig erscheinende Innenstadt von Dresden wurde somit vergrößert. Ohne diese Vergrößerung, würde man die Frauenkirche von dem gewählten Fotostandpunkt nur mit etwas Suchen erkennen. Der ohnehin schon groß erscheinende Vollmond wurde aber ebenso weit vergrößert. Beides zusammen ergibt diesen zugegebener Maßen etwas unwirklichen Eindruck. Aber er ist echt!

Die „Dellen“ im Mond kommen auch nicht (wie von wenigen Leuten behauptet) von der schlechten Bearbeitung oder der Fehlbedienung im Photoshop. Nein dieser Effekt ist völlig natürlich. Man nennt ihn Terrestrische Refraktion. Dabei wird das Licht eines Himmelskörpers durch die verschiedenen Dichten der Luft in unterschiedliche Richtungen gebrochen. Da unsere Atmosphäre am Boden dichter ist als in der Höhe, entsteht durch die Lichtbrechung dieser unterschiedlichen Luftschichten der Eindruck, der Mond habe Dellen oder ist Eiförmig. Dieser Effekt tritt nur kurz nach Mond- oder Sonnenaufgang auf. Mehr zum Thema Terrestrische Refraktion könnt ihr bei Wikipedia lesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Terrestrische_Refraktion

So ein Foto entsteht nicht spontan. Es steckt viel Planung dahinter, denn man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort stehen. Der Blickwinkel auf die Innenstadt von Dresden ist zwar etwas untypisch und ungewohnt, entspricht aber tatsächlich dem Blickwinkel von dem Feld aus auf dem wir standen. Das kann jeder gern bei Google Maps nachprüfen. Bei Fragen könnt ihr euch gern in den Kommentaren an uns wenden. Wir versuchen alle offenen Fragen zu klären. smile

 

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