Blick auf die Rakotzbrücke bei Nacht

15. Jun. 2022 | Fotoberichte | 9 Kommentare

Am vergangenen Sonntag machten wir uns zu später Stunde auf den Weg an die sächsischen Landesgrenzen, um den Blick auf die Rakotzbrücke bei Nacht zu fotografieren. Die Rakotzbrücke, auch Teufelsbrücke genannt, steht im Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau am gleichnamigen See. Die rund 20 Meter freispannende Bogenbrücke wurde zwischen 1866 und 1875 vom Rittergutsbesitzer Herrmann Friedrich Roetschke erbaut und diente in den vergangenen Jahren sogar als Filmkulisse in Filmen wie „Der Zauberlehrling“ und „Matrix Resurrections“.

Nachdem wir einen gemütlichen Kochabend mit einem Freund hatten, entschieden wir uns gegen 22 Uhr noch einmal die Kamera zu schnappen, um etwas fotografieren zu gehen. Spontan kam uns dann die Idee, mal wieder nach Gablenz zur Rakotzbrücke zu fahren. Eine richtige Vorstellung, was wir dort eigentlich fotografieren wollen hatten wir noch nicht. Aber wir hofften einfach, dass sich das vor Ort noch ändern wird.
Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt, kamen wir am Parkplatz der Rakotzbrücke an. Bis auf 2 Wohnmobile war dieser vollkommen leer. Wir hatten also unsere Ruhe, um mit genügend Zeit nach schönen Motivideen zu suchen.

Aus der Ferne hörten wir allerdings eine Menge Lärm. Doch dieser war zum Glück natürlichen Ursprungs. Unzählige Frösche quakten am Rakotzsee um die Wette und ließen sich auch durch unsere Anwesenheit nicht stören. Den Weg zur Brücke fanden wir nur im hellen Licht unserer Taschenlampen. Denn vor Ort herrschte tiefste Nacht.

Die Dunkelheit stellte sich dann auch als das größte Problem dar. Denn selbst mit längeren Belichtungszeiten bekamen wir unsere Fotos nicht ausreichend hell. Zuerst hatten wir vor, den Blick auf die Rakotzbrücke bei Nacht einfach mit der Taschenlampe auszuleuchten. Doch die umherfliegenden Insekten wurden ebenfalls von der Taschenlampe angestrahlt und sorgten auf dem Foto dann für unschöne Lichtspuren. Es musste also eine andere Lösung her…

Wie würde es aussehen, wenn einer an der Kamera bleibt und die anderen beiden laufen einmal um die Brücke und leuchten an bestimmten Punkten gezielt mit etwas Licht? Das klang nach einem Plan! Damit wir uns auch verständigen konnten, kamen mal wieder die Funkgeräte in unserem Fotorucksack zum Einsatz. Neben den zwei leistungsstarken Taschenlampen Sofirn C8F mit einer Helligkeit von bis zu 3500 Lumen, befinden sich darin auch die Funkgeräte.

Die Idee stand und der Plan war geschmiedet. Nun ging es an die Umsetzung und die gelang uns erstaunlicher Weise direkt beim ersten Mal. Einer von uns machte sich mit dem Kumpel langsam auf den Rundweg um die Brücke. Dabei hielten sich die beiden genau an die Befehle vom Fotografen am Fotostandort. Zwischen dem Lärm der Frösche hallte das Rauschen der Funkgeräte mit knappen Wortfetzen. „Grrrrsch weiter, weiter weiter, STOP grrrrsch. Jetzt etwas hoch und zu mir leuchten, weiter, weiter, STOP, zurück, ja genau so, jetzt so halten…“

Zum Einsatz kam unsere Canon EOS R mit dem neuen Canon RF 24-105 mm f/4L IS USM Objektiv. Damit die einzelnen Bilder nicht verwackeln, befestigten wir die Kamera auf unserem Manfrotto Carbon Stativ.

Lichtfotos an der Rakotzbrücke

Nachdem wir an 8 verschiedenen Standorten mit den Taschenlampen für etwas Beleuchtung und ein schönes Streiflicht an der Brücke sorgten, war die Umsetzung der geplanten Fotos im Kasten. Die absolut windstille Nacht spielte uns dabei zum Glück in die Karten. Denn im gesamten Zeitraum von ca. einer Stunde wehte kein einziges Lüftchen. Die Blätter der Bäume befanden sich auf jeder Aufnahme ganz genau an derselben Stelle. Beim anschließenden Bearbeiten in Photoshop gab es also keine unschönen Überlappungen bzw. Bildfehler durch doppelte Äste etc.

Blick auf die Rakotzbrücke bei Nacht

Die Bearbeitung selbst ging dann eigentlich relativ schnell. Wir haben alle 8 Aufnahmen in eine Bilddatei geladen und mittels dem Ebenenmodus “Aufhellen” zu einem Foto vereint. Jedes der Einzelfotos wurde 30 Sekunden belichtet. Der ISO Wert lag bei 400 und die Blende war maximal auf f4.0 geöffnet. Alles zusammen ergibt dann diesen wunderschönen Blick auf die Rakotzbrücke bei Nacht.

Was du alles bei der Nachtfotografie beachten musst, erfährst du ganz detailliert in unserem Fotowissen Beitrag “Tipps & Tricks zur Nachtfotografie“. Es ist sehr viel Text, aber du lernst dort im Grunde alles was du wissen musst und das völlig kostenlos. Viel Spaß beim lesen!

Das Foto gibt es übrigens bei uns im Onlineshop als Leinwand, Leinwand, Alu-Dibond Board, Acryl-Echtfoto Board, Poster und Fotoabzug.

9 Kommentare

  1. Hallo Marcel und Patrick,

    die Aufnahme von Euch von der Rakotzbrücke finde ich gelungen. Die Idee mit der Ausleuchtung gut. Wirkt fast schon wie gemalt. Wäre sie für eine Aufnahme nicht so weit weg, würde ich sie auch gerne mal fotografieren. Und Windstille, die ist bei sowas auch immer enorm wichtig und nicht immer planbar. Aber ihr hattet Glück.

    Liebe Grüße aus Lübeck
    André

    Antworten
    • Hallo André,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja die Brücke ist schon ein ganzes Stück weg von Lübeck. Wir haben auch von vielen gehört, dass sie etwas enttäuscht waren als sie dann irgend wann mal dort waren. Es ist halt “nur” diese Brücke und das klassische Motiv ist schnell abfotografiert. Aber wenn man eh mal in der Nähe ist lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. 🙂

      Viele Grüße,
      Marcel

  2. Hey Jungs, sieht super aus. Da habt Ihr die Brücke super in Szene gesetzt. Da fällt es auch schwer die Meinung manch anderer Kommentatoren zu verstehen die “weniger” Licht besser finden, wobei weniger Licht bei diesen Leuten wohl kein Licht heißt. Ich finde es auch etwas überheblich die Bilder anderer so zu kritisieren, wenn die eigenen um Welten schlechter aussehen!

    Ich als Betrachter des Bildes, der übrigens auch schon an der Brücke stand, möchte etwas sehen und das erreicht man eben nur mit Licht. Man sieht bei diesen und allen anderen das ihr euren eigenen Stil verfolgt.

    Antworten
    • Hallo Andreas,

      danke für deinen Kommentar. Es freut uns das dir das Foto gefällt. Mir gefällt unser Bild auch viel besser als das von Markus. Da sind die Geschmäcker verschieden. 🙂 Bildkritik an sich finden wir aber okay, auch wenn die von Markus sich schon sehr nach “dies ist der richtige Weg und kein anderer” liest. Ich würde von uns behaupten, das wir schon Ahnung von Fotografie haben und genau wissen was wir tun. Trotzdem lernen wir natürlich nie aus. Man lernt immer etwas neues dazu. Dir noch eine schöne Woche 🙂

      Viele Grüße,
      Marcel

  3. Danke für die schnelle Antwort, Marcel!
    Der Gedanke mit viel Licht eine Art mystisches Portal zu erschaffen war auch bei mir zunächst der Vater des Gedankens. Ich will gar nicht sagen, dass mir eine solche Umsetzung nicht auch gefallen könnte …. auf die Idee das deutlich dezenter umzusetzen bin ich auch erst später gekommen. Mehr Licht da reinzubringen muss aber nicht heißen, dass es gleich so aussehen muss wie es jeder machen würde, der keine Ansprüche auf echte Qualität und Können legt. Von mir aus könnt ihr gerne noch mehr Licht machen – das geht auch ohne Überstrahlungen! Und das würde mir dann bestimmt auch gefallen! Auch wenn ich heute eher lieber wieder an einer dezenten Umsetzung, aber mit Spiegelung arbeiten würde. Was ihr macht sollte einfach gekonnt aussehen und der Rest ist in meinen Augen Geschmackssache.

    Aber so wie Du schreibst habe ich große Zweifel dabei mit Euch einen Konsens zu finden. Wenn ich Euch zum Nachdenken angeregt habe bin ich schon zufrieden. Für das was ich meine gibt es bislang nur ein paar wenige die mir nacheifern, aber die haben es kapiert. Ich will nicht sagen, dass alles andere Stümperei ist, aber wenn ihr euch meine Bilder in der Fotocommunity anseht werdet ihr wissen was ich meine. Da steht teilweise so einiges über die Technik – insbesondere dann wenn man ohne Licht im Stockdunkeln steht.

    Ich bin jedenfalls gespannt auf weitere Versuche an der Rakotzbrücke von Euch – ich denke bereits darüber nach die Externsteine zu beleuchten.

    Viele Grüße,
    Markus

    Antworten
    • Hallo Markus,

      natürlich kann man gewisse Überstrahlungen komplett vermeiden. Dann wirken aber gerade solche Bilder ziemlich flachgebügelt. Gerade die Kontraste zwischen hellen Bereichen und dunklen Bereichen dürfen meiner Meinung nach auch mal Überstrahlungen aufweisen. Wobei bei unserem Foto durchaus noch Informationen vorhanden sind. Es ist also nicht tatsächlich überstrahlt sondern einfach nur hell. Wir haben die Fotografie durchaus verstanden, nur eben ein anderes Verständnis was Aufnahmen bei Nacht angeht. Aber das ist ja okay.

      Auch bei unseren Mond oder Sonnenauf- bzw. Untergangsfotos sieht man es auch. Der Mond bzw. die Sonne besitzt diesen gewissen Schein Effekt sodass es dort schon hell ist, aber nicht überstrahlt. Man kann es natürlich auch so machen das der Mond absolut dunkel ist sodass keinerlei Pixel zu hell sind. Aber das wirkt dann wieder sehr flachgebügelt und ist nicht das was wir erreichen wollen.

      Hier ein Beispiel: https://www.ddpix.de/wp-content/gallery/dresden/01066.jpg

      Viele Grüße,
      Marcel

    • Hallo Marcel,
      Schön, dass Du nochmals auf meine Anmerkung reagiert hast. Euer Beispiel mit dem hellen Mond gefällt mir echt sehr gut – der ist hell, schaut natürlich aus und ist keineswegs überstrahlt. Ein beeindruckendes Bild ist euch da gelungen – genau davon rede ich aber auch – es darf ja hell sein, aber nicht überstrahlt – hierbei sind wir also ganz einer Meinung!
      Jetzt verstehe ich auch was Du meinst wenn Du sagst euer Bild von der Rakotzbrücke sei nur hell aber nicht überstrahlt. Und ich habe auch die ganze Zeit nur von den Bereichen gesprochen die eben physikalisch keine Bildinformationen aufweisen – also die kleinen Bereiche links und rechts am Füße der Brücke. Die helle Anmutung ist Geschmacksache, aber das würde ich niemals kritisieren.
      Wir haben mittlerweile auch die Externsteine beleuchtet. Ich kann mir vorstellen, das wäre auch was für euch!
      https://www.fotocommunity.de/photo/externsteine-bei-nacht-markus-novak/46516482
      LG Markus

  4. Zunächst möchte ich euch zu dem halbwegs ansehnlichen Ergebnis gratulieren. Das hört sich nach sehr viel Aufwand an. Das Ergebnis indes kann leider nicht restlos überzeugen. Als sehr störend empfinde ich die Überstrahlungen. Das sieht extrem ungekonnt aus. Aber ich will nicht nur kritisieren, sondern euch auch zeigen wie das besser aussieht:
    https://www.fotocommunity.de/photo/rakotzbruecke-zur-blauen-stunde-markus-novak/45396437
    Und selbst hier war ich nicht ganz zufrieden, da die Umsetzung doch stark plakativ rüber kommt. Eigentlich müsste hier weniger mehr sein, da die wirklich romantische Stimmung völlig verloren geht. Also haben mein Team und ich auf den Herbst gehofft, um es besser zu machen:
    https://www.fotocommunity.de/photo/rakotzbruecke-im-herbst-markus-novak/45815742
    Die Beleuchtung ist hier sehr schön und dezent gelungen, aber das Laub hat die Spiegelung fast restlos vereitelt.

    Meinen Respekt hab ihr euch allemal verdient, denn ich weiß wie mühselig das werden kann … und dann noch die vielen Menschen die da sinnlos rumleuchten. Aber eure Aufnahme verrät auch dass ihr keine große Ahnung vom Licht setzen habt. Auch scheint ihr eine völlig unbrauchbare Lichtquelle zu haben. Jedes Bild gleich lang zu belichten ist auch nicht zielführend … und ISO 400 und f4 … spätestens jetzt hätte sich was im Kopf regen müssen. Aber aller Anfang ist schwer und ich denke euer Bild kommt dennoch ganz gut an. Und das gönne ich euch auch herzlich.
    Da ich gerne und viel lieber richtig tolle Bilder sehe bin ich auch bereit für einen Erfahrungsaustausch. Und ich bin gar nicht so arrogant wie ihr denken könntet! Aber hier sind deutliche Worte nötig. Lobhudelei hat noch keinem geholfen und ich habe den Eindruck ihr wollt was lernen.
    Herzliche Grüße
    Markus Novak

    Antworten
    • Hallo Markus,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ja die Umsetzung war nicht perfekt. Die Idee die Brücke anzuleuchten war auch eher spontan. Daher hatten wir auch nur Taschenlampen dabei. Das zu sehende Ergebnis war der erste Versuch. Da kann man sicherlich noch eine Menge optimieren. Unsere Idee war aber kein möglichst gleichmäßig beleuchtetes Foto zu gestalten, sondern schon hier und da etwas mehr Licht sichtbar zu machen sodass auch bisschen der mystische Effekt rüberkommt.

      Dein zweites Beispielfoto finde ich zum Beispiel persönlich viel zu dunkel. Da gefällt mir das erste viel besser, wobei auch da nach meinem Geschmack mehr Licht schöner aussehen würde. So verschieden sind Geschmäcker. 🙂

      Die Einstellungen mit ISO400 und Blende 4 waren erstmal nur dafür da, soviel Licht wie möglich einzufangen. Du weißt ja selber das es dort stockdunkel ist.

      Viele Grüße,
      Marcel

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