Nachtfotografie – Tipps und Tricks

von | Jan 30, 2016 | Anleitungen | 118 Kommentare

Seit 30.01.2016 Neu mit noch mehr Tipps, Beispielen und Informationen!
Für das Lesen des Artikels benötigst du ca. 1:30 Stunden.

Willkommen im Nachtfotografie Tutorial, der wohl besten kostenfreien Sammlung an Tipps & Tricks rund um das Thema Nachtfotografie! Dieses Tutorial wird regelmäßig aktualisiert und spiegelt unser gesamtes Wissen wieder, welches wir uns in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Themen der Fotografie angeeignet haben. Denn die Nachtfotografie spielt seit unseren ersten Erfahrungen im Bereich Fotografie eine große Rolle. Unsere ersten Fotos mit einer Kamera entstanden bereits schon bei wenig Licht unter schwierigen Lichtverhältnissen. Schnell merkten wir, dass es einige Dinge zu beachten gibt, um wirklich brauchbare Fotos auf die Speicherkarte zu packen.

Wenn der Tag sich dem Ende neigt und die Sonne langsam am Horizont verschwindet, dann beginnt die Welt der Nachtfotografie. Sie ist sehr anspruchsvoll und benötigt viel Zeit, doch sie gehört zu den spannendsten und schönsten Themengebieten in der Fotografie. Mit etwas  Übung wird die Nachtfotografie zu einer  überaus lohnenswerten Beschäftigung. Durch die vielen verschiedenen Themengebiete wird es zudem nie langweilig.

Erfahre hier, wie das Zusammenspiel von Blende, ISO-Wert und Belichtungsdauer funktioniert, was du dabei beachten solltest und welche Fehler du bereits von Beginn an vermeiden kannst. Hast du trotzdem noch Fragen zum Thema? Dann helfen die anderen Leser und wir dir gern in den Kommentaren weiter. Viel Spaß beim Lesen und umsetzen der Tipps & Tricks zur Nachtfotografie wünschen dir Marcel & Patrick.

Bevor es los geht, erlaube kurz ein bisschen Werbung in eigener Sache. Unsere Dresden Kalender 2017 sind da. Schau doch mal vorbei. smile Und jetzt viel Spaß beim Lesen und Lernen!

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Tipps & Tricks zum Thema Nachtfotografie!

Check-Karte:

Bilder sagen mehr als Tausend Worte. Daher gibt es hier eine kleine Checkkarte von uns. Diese verdeutlicht dir an kleinen Bildchen, wie das Zusammenspiel zwischen ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit funktioniert. Auf der Rückseite findest du die wichtigsten Tipps kurz zusammengefasst. Diese Karte kannst du kaufen, damit du sie auf deinen Fototouren immer dabei hast.

In erster Linie unterstützt du damit diesen Artikel und bedankst dich für die wohl möglich größte kostenlose Sammlung zu diesem fotografischen Themengebiet. Der Kauf ist daher als ein Dankeschön zu betrachten. smile

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Inhaltsverzeichnis:

Das wichtigste Fotoequipment:

Wie in allen Themengebieten der Fotografie, benötigst du auch für die Nachtfotografie das passende Fotoequipment. Das du eine Kamera und ein Objektiv dafür brauchst liegt auf der Hand. Trotzdem möchten wir dir hier die wichtigsten Sachen nennen, welche dein Fotoequipment auf jeden Fall unterstützen sollten und was du auf deinen Fototouren dabei haben solltest.

Dann gibt es noch Zubehör, welches du nicht unbedingt benötigst. Aber wenn du es hast, erleichtert es dir die Arbeit ungemein.

Die Kamera:

11951775_1187113481304549_8319532929005232425_nDass wohl wichtigste Gerät in der Fotografie ist ganz sicher die Kamera. In dieser Anleitung behandeln wir nur die digitalen Kameras. Jedoch sind die Grundregeln sowie Einstellungen mit denen von analogen Kameras meistens identisch. Die Wahl der Kamera bestimmt oft das verfügbare Budget. In der Regel sind Nachtaufnahmen mit fast jeder guten Kamera möglich. Lediglich an der Bildqualität scheitern günstigere Kameras eher als teurere.

Es ist zu beachten, dass die Kamera nicht nur Automatik-Programme besitzt, sondern die manuelle Einstellung von ISO-Wert, Blende und Belichtung ermöglicht. Die besten Ergebnisse erhältst du jedoch mit einer (digitalen) Spiegelreflexkamera* oder den neuen Systemkameras. Beide Kameras ermöglichen es, die passenden Objektive für jedes Themengebiet  wechseln zu können. Damit kannst du auf ganz bestimmte Gegebenheiten schnell mit dem richtigen Objektiv reagieren.

Um die richtige Kamera zu finden, gibt es hier einige Testberichte zu Digitalkameras. Je nach Modell, besitzt jede Kamera unterschiedliche Bildqualitäten. Aber auch ohne eine DSLR brauchst du nicht gleich aufgeben. Auch eine handelsübliche Digitalkamera kann gute Ergebnisse in der Nach liefern. Allerdings stoßen diese Geräte gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen schnell an ihre technischen Grenzen. Dies macht sich dann besonders in der Bildqualität bemerkbar.

Das Objektiv:

Solltest du eine DSLR oder Systemkamera besitzen, dann hast du die Möglichkeit, das Objektiv deiner Kamera je nach Bedarf zu wechseln. Für die Nachtfotografie gibt es keine speziellen Objektive die du unbedingt benötigst. In der Regel kann man mit jedem Objektiv auch bei Nacht fotografieren. Sinnvoll wäre es aber, wenn dein Objektiv lichtstark ist.

Die Lichtstärke eines Objektives ist von der Brennweite und der maximalen Blendenöffnung abhängig. Die Lichtmenge, welche das Objektiv aufnehmen kann, wird von der Blende geregelt. Ein Lichtstarkes Objektiv besitzt daher eine weit geöffnete Blende.

Der Wert auf dem Objektiv, welche mit dem Buchstaben f angegeben wird, gibt die maximale Blendenöffnung wieder. Je niedriger dieser Wert ist, umso lichtstärker ist dein Objektiv. In der Regel steht dort ein Wert von beispielsweise f4.0 oder  f5.6. Sehr lichtstarke Objektive haben dort Angaben wie f2.8 oder f1.4 stehen. Sollten zwei Blendenwerte auf deinem Objektiv stehen, dann handelt es sich wohl möglich um ein Zoom Objektiv. Der erste Blendenwert gibt die Blendenöffnung bei kurzer Brennweite an. Der zweite Wert gibt die maximale Blendenöffnung bei maximalen Zoom an. Unser lichtstärkstes Objektiv ist das Sigma 24 mm F1,4 DG HSM. Es erlaubt zum Beispiel eine Offenblende von f1.4, was schon ein sehr guter Wert ist. Mit diesem Objektiv müssen wir beispielsweise um einiges kürzer belichten als mit einem lichtschwächeren Objektiv bei gleicher Blendeneinstellung.

Möchtest du zum Beispiel eine schöne Landschaft in tiefster Nacht fotografieren, wo man sogar tausende Sterne am Himmel funkeln sieht, dann ist es sinnvoll, auf ein besonders lichtstarkes Objektiv zu setzen. Denn eine Blende von f1.4 oder f2.8 ermöglicht es dir, bei relativ kurzen Belichtungszeiten, sehr viel mehr Licht einzufangen.

Bei einer städtischen Nachtaufnahme ist es allerdings nicht mehr so wichtig, wie lichtstark dein Objektiv ist. Denn in der Regel sind die Städte nachts noch immer sehr hell beleuchtet.

Tipp: Besitzt dein Objektiv einen Bildstabilisator, empfehlen wir diesen zu deaktivieren. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass einige Bildstabilisatoren – obwohl die Kamera vollkommen ruhig steht, immer wieder versuchen etwas auszugleichen. Das Ergebnis ist ein vollkommen verschwommenes Bild. Um dieses Problem von Anfang an zu vermeiden, deaktiviere am besten den Bildstabilisator.

Das Stativ:

Bei einer Nachtaufnahme kommt es oft, wenn nicht sogar immer zu längeren Belichtungen. In diesem Fall ist es enorm wichtig, dass die Kamera ruhig steht und sich nicht bewegt. Die kleinste Bewegung sorgt für Verwacklungen und das Bild wirkt am Ende unscharf. Gerade an den Lichtquellen im Bild werden diese Verwacklungen sofort sichtbar.

In diesen Fällen wird die Kamera auf einem Stativ befestigt, welches für einen ruhigen Stand sorgt. Welches Stativ du nutzt, bleibt dir überlassen. Du solltest allerdings auf gute Standfestigkeit, Robustheit und Steifigkeit achten, denn günstige Stative lassen sich manchmal nicht komplett fixieren. Es kann dann passieren, dass deine Kamera trotz Stativ auf wackeligen Beinen steht.

Die meisten Stative bieten heutzutage eine Vielzahl an unterschiedlichen Funktionen. Du kannst zum Beispiel bei vielen Modellen die Mittelsäule ausklappen. Auch eine nützliche Wasserwaage zum ausrichten des Statives gehört bei vielen Anbietern heute schon zum Standard.

Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, lasse die Mittelsäule des Stativs eingefahren und fahre die Beine sowie die Mittelsäule nur soweit wie nötig aus, denn mit wachsender Länge wird die ganze Konstruktion instabiler. Es kommt oft vor, dass das Ausfahren der Mittelsäule bei Wind bereits leichte Bewegungen verursacht. Diese nur leichten Bewegungen reichen aus, um das Bild unscharf erscheinen zu lassen. In erster Linie zählt die richtige Perspektive. Mache also keine Kompromisse beim Motiv, weil du dein Stativ nicht weiter ausfahren möchtest. Fahre die Beine aber nicht unnötig weit aus, so sorgst du für bestmögliche Standfestigkeit.

Der Stativkopf:

Empfehlenswert ist auch noch die Verwendung eines Kugelkopfes der auf dem Stativ befestigt wird. Mit diesem kannst du die Kamera schnell und sicher innerhalb kürzester Zeit in jede beliebige Position bringen und exakt gerade ausrichten. So ein Kugelkopf ist jedoch etwas teurer, wenn du dieses Geld nicht ausgeben möchtest, reicht auch ein normales Stativ, welches größtenteils auch eine exakte Ausrichtung der Kamera mit Hilfe eines einfachen 3-Wege-Kopfes ermöglicht. Oft ist dies aber etwas mühsamer als mit einem Kugelkopf.

Weiterhin gibt es die sogenannten 3D-Neiger oder Getriebeneiger*. Diese ermöglichen das separate Einstellen jeder einzelnen Bildachse durch drehen der dafür vorgesehenen Stellschrauben, während die beiden anderen Achsen fixiert bleiben. Solche Stativköpfe werden auch oft von Filmern verwendet da man mit dieser Technik sanfte Schwenkbewegungen umsetzen kann. Der Vorteil an so einem Getriebeneiger ist der, das die Kamera quasi immer fest fixiert ist und durch drehen der Stellschrauben bewegt wird. Ein separates feststellen ist somit nicht mehr notwendig.

Weiteres nützliches Zubehör:

Die Auslösefernbedienung:

Ein Fernauslöser zum Auslösen der Kamera ist ein super Hilfsmittel um Verwacklungen zu vermeiden. Denn es kommt oft schon beim drücken des Auslösers zu kleineren Bewegungen, die am Ende für unscharfe Bilder sorgen. Wird zum Beispiel eine Belichtungsreihe erstellt, so kann man diese  über den Fernauslöser* steuern ohne die Kamera zu berühren. Ein leichtes Verschieben während der Einstellungsänderungen wird somit vermieden. Als Ersatz zur Fernbedienung kannst du auch den Selbstauslöser deiner Kamera verwenden, hierbei muss die Kamera jedoch jedes Mal berührt werden, um die Belichtungseinstellungen zu  ändern.

Moderne Kameras besitzen die Möglichkeit, alle Einstellungen per App auf dem Smartphone zu ändern. Dies ist natürlich die beste Möglichkeit, da du hierfür keinerlei Verbindung zur Kamera hast, welche somit auch nicht durch ungewolltes berühren wackeln kann. Ob deine Kamera eine Steuerung per App zulässt, erfährst du in deiner Betriebsanleitung.

Nützliche Filter:

Seit dem wir einen Grauverlauffilter besitzen, kommt dieser immer wieder zum Einsatz. Dieser Filter besitzt einen sanften Neutralgrauen Verlauf welcher es dir ermöglich, Bereiche des Himmels etwas abzudunkeln. Gerade wenn die Sonne untergeht oder die Blaue Stunde einsetzt, ist der Himmel im Vergleich zum restlichen Foto immer viel heller oder sogar schon überstrahlt. Ein Grauverlauffilter verringert bzw. vermeidet dieses Problem. Wir sind von den Vorteilen eines solchen Filters so überzeugt, dass bei uns für jedes Objektiv ein passender B+W Grauverlaufsfilter vorhanden ist.

Mit der heutigen Bildbearbeitung ist es zwar möglich, einen künstlichen Verlauf zu erzeugen, allerdings sind gerade am frühen Abend die Kontrastverhältnisse von Boden zu Himmel sehr stark. Oft sind Bereiche am Boden zu dunkel, während der Himmel bereits überstrahlt und ausgefranzt ist. Ein nachträgliches Abdunkeln per Bildbearbeitung lässt schnell die Stimmung am Himmel verschwinden. Im schlimmsten Fall franzen sogar die Farben völlig aus. Nur ein Grauverlauffilter vermeidet dieses Problem und dunkelt den Himmel zuverlässig ab. Darum würden wir dir einen solchen Filter wärmstens ans Herz legen.

Um bestimmte Effekte in spiegelnden Oberflächen zu erreichen gibt es sogenannte Polarisationsfilter. Ein Polarisationsfilter oder auch Polfilter ist dazu gedacht, die verschiedenen in das Objektiv einfallenden Lichtstrahlen zu polarisieren. Vereinfacht gesagt kann ein Polarisationsfilter einzelne Lichtstrahlen durchlassen oder komplett blockieren. Je nachdem wie der Polarisationsfilter vor dem Objektiv gedreht wird, lässt er Lichtstrahlen welche auf einer falschen Ebene schwingen passieren oder sperrt bzw. verstärkt diese. Diese Eigenschaft funktioniert allerdings nur auf allen nichtmetallischen spiegelnden Oberflächen.

Hierbei werden nur gleich schwingende Lichtstrahlen durch den Filter gelassen während alle anderen Lichtstrahlen vernichtet und in Wärme umgewandelt werden. Zu Nutze macht man sich so einen Polarisationsfilter in der Fotografie um beispielsweise Spiegelungen in einem See oder Brunnen zu entfernen bzw. zu verstärken oder um einfallendes Licht in gleich schwingendes Licht umzuwandeln und so beispielsweise den blauen Himmel noch intensiver darstellen zu können. In der Landschaftsfotografie kannst du so beispielsweise eine Spiegelung in einem Teich verstärken bzw. abschwächen oder Lichtreflexionen von Autos bzw. Scheiben vermeiden.

Die richtige Kleidung:

Oftmals wird genau dieser Punkt stark unterschätzt. Bei der Nachtfotografie kommt es meistens zu langen Belichtungszeiten. In dieser Zeit steht man häufig regungslos neben der Kamera und wartet bis die Belichtung und die gegebenenfalls gestartete Rauschunterdrückung beendet ist. Hierbei kann es schon recht frisch werden, es ist darum auf warme Kleidung zu achten. In kalten Winternächten kann auch ein warmes Getränk wahre Wunder bewirken. Solltest du an einer befahrenen Straße Fotos machen, achte bitte auf deine eigene Sicherheit und kleide dich nicht zu unauffällig. Wir wollen ja nicht, das du von einem Autofahrer übersehen wirst. Daher eignen sich Jacken mit Reflektoren sehr gut um nicht in der Dunkelheit übersehen zu werden.

Es werde Licht! Die Taschenlampe:

Das Fotografieren bei Nacht macht das Bedienen der Kamera nicht gerade einfach. Oftmals ist es schwer die passenden Knöpfe zu finden, um die gewünschten Einstellungen vorzunehmen. Darum ist es nützlich, immer eine kleine Taschenlampe bei sich zu haben. Ist diese nicht zur Hand, ist das Handy ein guter Ersatz.

Die meisten Kameras bieten zwar eine Display Beleuchtung, allerdings musst du zum aktivieren dieser oft eine Taste betätigen. Meistens sucht man diese Taste durch blindes tasten an der Kamera. Schade wäre es, wenn du in diesem Moment deine Nachtaufnahme durch ein verwackeln der Kamera kaputt machst.

Besser als eine Taschenlampe ist eine sogenannte Stirnlampe welche du mit Hilfe eines Bandes auf dem Kopf befestigen kannst. Sie leuchtet immer in deine Blickrichtung und stört nicht beim Fotografieren, da du sie nicht in der Hand halten musst. Durch das helle Licht kann es jedoch vorkommen, das du im Umfeld nichts mehr wahrnehmen kannst, da du geblendet wirst. Hier hilft es schon, wenn du einen roten Filter vor die Lampe baust. Das Rotlicht reicht vollkommen aus, um deine Kamera zu bedienen, blendet jedoch weitaus weniger als weißes Licht. Das gleiche Prinzip erfüllt praktisch auch eine rote Fahrradbeleuchtung.

Hinweis: Achte darauf, während der Belichtung nicht in den Sucher deiner Kamera zu leuchten. Es kann passieren, dass das Licht deiner Lampe über die Spiegel auf den Sensor gelangt und so für unschöne Reflexionen auf dem Foto sorgt.

Wasserwaage:

Bei der Blitzschuh-Wasserwaage handelt es sich um eine kleine Wasserwaage, die einfach auf den Blitzschuh der Kamera befestigt werden kann. Sie ist ein nützliches Hilfsmittel, um die Kamera perfekt zu justieren. Diese Wasserwaage ist aber nicht nur für die Nachtfotografie hilfreich, sondern erleichtert die Arbeit in vielen Teilen der Fotografie ungemein. Möchtest du zum Beispiel auch Panoramaaufnahmen machen, so kannst du mit Hilfe dieser Wasserwaage die Kamera exakt ausrichten. Die meisten Stative besitzen ebenfalls eine kleine eingebaute Wasserwaage.

wasserwaage

So sieht die elektronische Wasserwaage bei unserer Canon 5D Mark III aus. Sie kann über die Taste „Info“ im RealView eingeblendet werden.

Diese Blitzschuh Wasserwagen haben aber schon fast ausgedient. Denn die meisten Kameras besitzen schon eine integrierte elektronische Wasserwaage welche du dir auf deinem Display anzeigen lassen kannst. Sollte deine Kamera eine solche elektronische Wasserwaage haben, benötigst du natürlich keine extra Wasserwaage.

Hinweis: Oft werden wir gefragt, mit welcher Ausrüstung wir denn unsere Fotos machen. Um diesen Fragen zu klären, haben wir unsere Ausrüstung auf einer extra Seite niedergeschrieben. Solltest du also bei der Wahl eines Statives unsicher sein, lohnt vielleicht ein Blick auf unsere Ausrüstung.

Technische Grundlagen:

Bevor wir auf die Verwendung von Blende, Verschlusszeit oder ISO-Wert eingehen, ist es wichtig, alle anderen Eigenschaften deiner Kamera vorher zu kennen und auf das Themengebiet der Nachtfotografie anzupassen. Nur so gelangst du zu den richtigen Ergebnissen und kannst diese gegebenenfalls auch im Nachhinein am heimischen Rechner noch anpassen.

Um schlussendlich also auf das eigentliche erstellen einer Nachtaufnahme zu kommen, ist es notwendig, alle anderen notwendigen Einstellungsmöglichkeiten deiner Kamera vorher zu erläutern. Hierbei erklären wir dir die richtige Wahl der Auflösung, des Dateiformats, dem Weißabgleich und anderen Technischen Eigenschaften, um dann im Anschluss auf Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert einzugehen.

Die Auflösung:

Es ist ratsam, die möglichst maximal an deiner Kamera verfügbare Auflösung einzustellen. Du hast somit in der anschließenden Bildbearbeitung mehr Spielraum den Bildausschnitt nochmal zuzuschneiden und bekommst außerdem die bestmögliche Bildqualität die der Bildsensor deiner Kamera liefern kann.

Fotos in hoher Auflösung lassen sich einfach verkleinern, ohne dass das Bild an Qualität verliert. Ein vergrößern einer zu kleinen Aufnahme ist jedoch immer mit einem Qualitätsverlust verbunden.

Da das fotografieren mit hoher Auflösung zwangsläufig zu einem größerem Datenvolumen der aufgenommenen Bilder führt, solltest du eine ausreichend große Speicherkarte verwenden. Wie viele Bilder in der von dir eingestellten Auflösung dann auf diese Speicherkarte passen, zeigt dir deine Kamera auf dem Display an. In der Regel ist eine Aufnahme im RAW Format und voller Auflösung ca. 20-25 MB groß.

Das Dateiformat:

Bei den meisten Kameras kannst du zwischen mehreren Dateiformaten wählen. Du kannst also wählen, in welchem Format und in welcher Qualität deine Fotos auf der Speicherkarte gespeichert werden. Als Dateiformat steht hierbei in der Regel das Format JPG und RAW zur Verfügung.

RAW oder JPG?

Bei dem JPG Format handelt es sich um ein universelles Bildformat welches von nahezu allen Endgeräten gelesen werden kann. Es ist somit möglich, die fertigen Fotos ohne weitere Konvertierung direkt auf einem Fernseher, einem Computer oder ein Smartphone zu übertragen und anzuschauen oder sogar an einem Fotodrucker direkt im Geschäft auszudrucken.

Im Format JPG kannst du dabei noch die gewünschte Aufnahmequalität wählen. Hierbei gibt es die Möglichkeit die Auflösung und somit die Pixelanzahl zu ändern sowie die Bildqualität einzustellen. Wir empfehlen, generell immer die maximal verfügbare Auflösung zu wählen. Ein sehr großer Nachteil des JPG Formates ist die Komprimierung des Bildes. Denn ein JPG Foto wird in deiner Kamera sofort komprimiert um den Speicherbedarf und die Dateigröße zu verringern. Je nach eingestellter Auflösung und Bildqualität fällt diese Komprimierung unterschiedlich stark aus. Es ist durchaus möglich, gute Nachtaufnahmen im Dateiformat JPG zu fotografieren und diese auch direkt weiter zu verwenden um sie zum Beispiel drucken zu lassen. Die Nachbearbeitung ist im JPG Format aber nur bedingt möglich.

Unsere Erfahrungen in der Nachtfotografie zeigen von Anfang an, dass man mit dem Dateiformat RAW weitaus mehr Möglichkeiten und Freude in der Fotografie hat, da es in den meisten Fotos immer irgendetwas zu korrigieren gibt. Während ein JPG Bild quasi eine fertig entwickelte Aufnahme darstellt, bei der eine anschließende Anpassung mittels Bildbearbeitung immer mit einem Qualitätsverlust verbunden ist, stellt eine RAW Aufnahme faktisch ein digitales Negativ dar, welche die digitalisierten Informationen der einzelnen Pixel beinhaltet. Verschiedenen Farbinformationen wie Weißabgleich, Kontrast, Sättigung und vieles mehr, können verlustfrei angepasst und neu berechnet werden. Zusätzlich besitzen RAW Bilder eine höhere Farbtiefe, was das Anpassen der Helligkeit bzw. Belichtung im gewissen Umfang ermöglicht.  Eine Helligkeitsanpassung für eine Korrektur von +-2EV ist jedoch auch beim RAW Konverter mit einem Qualitätsverlust verbunden.

Ein Nachteil des RAW Dateiformates ist, dass dieses Format in der Regel nur von speziellen RAW Konvertern gelesen werden kann und anschließend in ein universelles Format wie JPG oder TIF konvertiert werden muss. Außerdem ist das Datenvolumen eines Fotos im RAW Format erheblich größer als das einer JPG Aufnahme, da bei einem RAW sämtliche Bildinformationen als Rohdaten abgespeichert werden um diese auch im Nachhinein noch verlustfrei anpassen zu können.

Beide Formate bieten also ihre Vor,- und Nachteile. Trotz der vielen Vorteile eines JPG Dateiformat kommt bei uns von Anfang an ausschließlich das RAW Format zum Einsatz. Denn selbst beim perfekt belichteten Bild gibt es unserer Meinung nach immer einige Punkte die man im Nachhinein hätte gern besser oder anders machen können. Bei einem RAW hast du dann die Möglichkeit, verschiedene Einstellungen mit Hilfe des RAW Konverters so anzupassen, als stündest du noch vor Ort ohne dass du Qualitätseinbußen hinnehmen musst. Was dir der RAW Konverter alles für Möglichkeiten bietet erfährst du im nächsten Absatz.

Der RAW Konverter:

Um ein RAW am PC bearbeiten zu können, benötigst du ein Bildbearbeitungsprogramm welches einen RAW Konverter unterstützt. Neben dem Camera RAW Konverter für Adobe Photoshop, welcher alle gängigen Kamerahersteller unterstützt, hat sich Adobe Lightroom als universelles Programm zum bearbeiten von RAW Dateien etabliert.

Unter anderem können im RAW Konverter der Weißabgleich, der Farbton, die Lichter, Tiefen, Dynamik, Sättigung und vieles mehr Verlustfrei angepasst werden. Das RAW Format ist jedoch kein Allerheilmittel. Sind die fotografierten Fotos verwackelt oder unscharf, so kann auch der RAW Konverter diese Eigenschaften nicht mehr korrigieren. Es ist darum im RAW Konverter nicht mehr möglich die Tiefenschärfe zu ändern, eine Bewegungsunschärfe komplett zu entfernen und zu hell oder zu dunkel belichtete Bereiche in denen keine Bildinformationen mehr vorhanden sind zu korrigieren. Ein rein weißer oder schwarzer Bereich auf dem Foto ist ohne Bildinformationen. Diese Bereiche würden beim Abdunkeln oder Aufhellen nur ausfranzen aber weiterhin weiß bzw. schwarz bleiben.

Fotografiere daher vor Ort immer so gut wie möglich und liefere dem RAW Konverter immer ein gut zu verwertendes Bild. Ein RAW-Konverter arbeitet übrigens non-destruktiv, das bedeutet dass deine eingegebenen Einstellungswerte jeder Zeit rückgängig oder geändert werden können. Erst wenn du das Bild in Photoshop überträgst und als JPG oder ein anderes Format exportierst, werden diese Einstellungen auf das gewünschte Bild übernommen. Die originale RAW Datei bleibt dabei aber immer erhalten. Zusätzlich wird oftmals eine weitere Datei angelegt in der die einzelnen Arbeitsschritte und Einstellungen geschrieben werden um diese für die RAW Datei immer wieder anpassen zu können.

Der Weißabgleich:

Da Licht viele verschiedene Farben hat, musst du deiner Kamera sagen, auf welche Farbtemperatur, die in der Einheit Kelvin gemessen wird, die Kamera die Farben deines Bildes abgleichen soll. Denn eine Kamera weiß nicht bei welcher Lichtfarbe eine weiße Fläche wirklich weiß erscheint. Sie kann es zwar automatisch messen, diese Messung ist aber gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen nicht immer korrekt. Diesen Vorgang, die Farbtemperatur auf das Umgebungslicht anzupassen, nennt man Weißabgleich. Er Beschreibt die Möglichkeit, ein Motiv in den Farben aufzunehmen, welche dem natürlichen Seheindruck entsprechen sollten. Ein geringer Kelvinwert von 1500 steht für sehr rotes Licht, während ein hoher Kelvinwert von 10000 Kelvin für extrem blaues Licht steht.

Verschiedene Lichtquellen besitzen demnach unterschiedliche Farbtemperaturen. Die Morgen- oder Abendsonne besitzt beispielsweise eine warme Farbtemperatur von 5000 Kelvin. Die bläuliche Stimmung kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang, auch blaue Stunde genannt, besitzt eine kühle Farbtemperatur von 9000 – 12.000 Kelvin.

Um diese verschiedenen Farbtemperaturen auszugleichen und eine weiße Fläche auch wirklich weiß darzustellen, ist es wichtig, die Farbtemperatur des Motives mit Hilfe des Weißabgleich zu neutralisieren. Stellt man beispielsweise den Weißabgleich auf eine warme Farbtemperatur von 2800 Kelvin, versucht die Kamera die vermeintlich zu roten Bereiche im Bild dem natürlichen Seheindruck anzupassen und färbt das Bild blaustichig. Stellt man eine kühle Farbtemperatur von beispielsweise 10000 Kelvin ein, versucht die Kamera die vermeintlich zu kühlen Farben in deinem Bild anzupassen und verleiht dem Bild einen Rotstich.

Möchtest du also die blaue Stimmung der blauen Stunde weiter verstärken, solltest du einen niedrigen Wert für den Weißabgleich wählen. Wenn du hingegen die warmen Farben einen Sonnenuntergang verstärken möchten, solltest du einen höheren Wert für die Farbtemperatur wählen.

Bist du dir unsicher welchen Wert du einstellen musst? Dann mache es so wie wir und übergebe diese Aufgabe der Kamera. Im Automatischen Weißabgleich AWB stellt die Kamera den für jede einzelne Aufnahme richtigen Weißabgleich automatisch ein. Sollte der dir jedoch nicht gefallen und du fotografierst im RAW Format, so kannst du den Weißabgleich auch ganz einfach nachträglich im RAW Konverter auf den von dir gewünschten Wert einstellen. Am Bildschirm kannst du so ganz einfach die richtige Stimmung für dein Foto auswählen.

Die Spiegelvorauslösung:

Solltest du mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren, besitzt diese einen beweglichen Spiegel welcher Lichtstrahlen durch das Objektiv über den Spiegel in den Sucher spiegeln und du darum dein Motiv im Sucher sehen kannst. Wenn nun der Auslöser gedrückt wird, klappt der Spiegel nach oben und die Lichtstrahlen gelangen auf den vorher vom Verschluss freigegebenen Sensor um diesen nach der von dir eingestellten Verschlusszeit zu belichten. Durch den beim betätigen des Auslösers hochklappenden Spiegel, kann es jedoch zu kleinsten Vibrationen im Kameragehäuse kommen. Dies kann in ungünstigen Fällen zu einem verwackeln des Bildes führen.

Die Spiegelvorauslösung beseitigt dieses Problem indem sie, falls aktiviert, den Spiegel beim erstmaligen betätigen des Auslösers nach oben klappt. Erst beim erneuten drücken des Auslösers wird die Belichtung begonnen. Einige Kameras warten auch automatisch eine kurze Zeit und beginnen dann selbstständig die Belichtung des Bildes, weshalb der Auslöser nur einmal gedrückt werden muss. Diese Einstellung ist keine Pflicht, es geht auch ohne Spiegelvorauslösung. Doch wenn du die maximale Schärfe aus deinem Foto herausholen willst und alle in Frage kommenden störenden Faktoren beseitigen willst, solltest du die Spiegelvorauslösung aktivieren.

Hinweis: Bei den neueren Spiegel losen Systemkameras entfällt das hochklappen des Spiegels da diese keinen Spiegel mehr besitzen und das Bild meistens direkt auf ein im Sucher installiertes Display übertragen wird.

Die Rauschunterdrückung:

Falls deine Kamera einen Rauschunterdrückung oder Rauschminderung besitzt, so sollte diese bei längeren Belichtungszeiten aktiviert werden. Zu beachten ist jedoch, dass die Rauschunterdrückung bei den meisten Kameras genau so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie die jeweils davor getätigte Belichtung der Aufnahme. Dabei erstellt die Kamera eine über die eingestellte Verschlusszeit andauernde Schwarzbelichtung um eventuell auftretendes Sensorrauschen oder sogenannte Hotpixel, welche fehlerhafte Informationen liefern, heraus zurechnen.

Machst du also eine Langzeitbelichtung welche zum Beispiel 15 Minuten dauert, so benötigt die Kamera anschließend noch einmal 15 Minuten für die Rauschunterdrückung und ist für weitere Aufnahmen in dieser Zeit nicht nutzbar. Wenn du nacheinander Fotos mit längerer Belichtungszeit anfertigen möchtest, müsstest du die Rauschunterdrückung deaktivieren um die langen Pausen zwischen den Aufnahmen zu vermeiden.

Tipp: Solltest du eine Sternspur Aufnahme aus mehreren Belichtungen anfertigen, ist es ratsam, die Rauschunterdrückung zu deaktivieren. Da die Rauschunterdrückung immer so lange andauert wie die Belichtung dauerte, würden zwischen den einzelnen Aufnahmen störende Lücken entstehen.

Es ist darum je nach Motiv zu entscheiden, ob eine Rauschunterdrückung hilfreich oder gar hinderlich ist. Falls du im RAW Format fotografierst, ist eine Rauschunterdrückung auch nachträglich am heimischen Rechner über den RAW Konverter möglich. Die Besten Ergebnisse einer Entfernung des Bildrauschens erzielst du jedoch unserer Meinung nach mit einer Zusatzsoftware wie zum Beispiel Noisware, welche das Bildrauschen speziell auf voreingestellte Szenarien oder Bildstile aus einen Foto entfernt ohne das Bildinformationen oder Details verloren gehen.

Das Blitzlicht:

Im Bereich der Nachtfotografie gibt es eine klare Regel – Der Blitz ist tabu!  Denn anders als vielleicht erwartet, erweist sich das verwenden eines Blitzes bei der Nachtfotografie als großer Nachteil.

Bei der Nachtfotografie sind die Entfernungen zwischen Kamera und den Gebäuden bzw. Objekten viel zu groß, als dass das Blitzlicht irgendeinen Nutzen bringen würde. Weiterhin beleuchtet der Blitz nahe Objekte stärker als entfernte, weshalb der Vordergrund oft viel zu hell ist, während der Hintergrund Nahezu komplett im Schwarz versinkt.

Die Verwendung eines Blitzes ist jedoch nicht grundsätzlich verboten. Manchmal kannst du auch ganz bewusst gegen Regeln verstoßen um zu deinem Wunschergebnis zu kommen oder ein Motiv spannender zu gestallten. So kannst du mit Hilfe eines Blitzes bei einer Langzeitbelichtung verschiedenste Bewegungen einfrieren. Mehr dazu erläutern wir dir in den folgenden Kapiteln „Wie erstelle ich eine gute Nachtaufnahme“.

Der Bildstabilisator:

Viele Kamera Hersteller rüsten ihre Kameras oder Objektive mit Bildstabilisatoren aus, um eine Unschärfe des Bildes durch verwackeln zu vermeiden oder zu verringern. Je nach Model oder Hersteller sind Bildstabilisatoren direkt am Bildsensor oder im Objektiv verbaut. Ein im Objektiv befindlicher Bildstabilisator kompensiert durch beweglich gelagerte Linsenglieder auftretende Verwacklungen. Ein in der Kamera verbauter Stabilisator gleicht die Bewegungen in der Regel durch sanfte Bewegungen des Sensor aus.

Für die meisten Themengebiete in der Fotografie ist ein Bildstabilisator sehr sinnvoll. Er ermöglicht es, die Belichtungszeit auch bei widrigen Lichtbedingungen relativ gering zu halten. Es ist dir dann noch möglich, Fotos mit der freien Hand zu machen.

Bei der Nachtfotografie kommt es meistens zu so langen Belichtungszeiten, dass jeder Bildstabilisator an seine Grenzen stößt. Daher solltest du auf jeden Fall auf ein Stativ zurückgreifen. Beachte aber, dass der Bildstabilisator bei der Verwendung eines Statives deaktiviert wird. Denn deine Kamera steht auf dem Stativ bereits schon fest sodass keine Bewegungen mehr ausgeglichen werden müssen.

Hin und wieder kommt es allerdings vor, dass der Bildstabilisator Bewegungen ausgleichen will, die es gar nicht gibt. Zum Beispiel wenn ein Auto durch den Bildausschnitt fährt, sich das Wasser bewegt oder die Wolken am Himmel entlang ziehen.

Dieses Problem erkennst du dann auf deinen Fotos. Es macht sich in einer sanften Unschärfe bemerkbar. Um eine solche Unschärfe von Anfang an zu vermeiden, lasse bei der Verwendung eines Stativs, den Bildstabilisator am besten immer deaktiviert.

Der Fokus:

Bevor wir uns an die Wahl der richtigen Blende, Verschlusszeit oder den ISO-Wert machen können, ist es wichtig den gewünschten Bildausschnitt korrekt zu fokussieren.  Denn alle Bildeinstellungen die du danach treffen willst, wären nutzlos, wenn am Ende ein falsch fokussiertes Foto entsteht.

Manchmal wiegt man sich im sicheren Glauben mit Hilfe des Autofokus ein scharfes Bild fotografiert zu haben. Auch die Vorschau auf dem Kameradisplay untermauert diesen trügerischen Eindruck oft zusätzlich, da dort alles auf dem ersten Blick so aussieht als sei das Foto scharf. Überträgt man seine Bilder dann aber auf den heimischen Rechner um diese voller Vorfreude etwas nachzuarbeiten, trifft einen schnell die Ernüchterung.  Alle Bilder besitzen in voller Auflösung eine störende Unschärfe. In geringer Auflösung fällt diese gar nicht so stark auf, in großer Auflösung ist sie hingegen ganz schön störend.

Genau so ging es uns schon ein paarmal, als wir uns nur auf den Autofokus unserer Kamera verlassen haben. Um dieses Problem zu vermeiden, haben wir uns angewöhnt, den Fokus bei Nachtaufnahmen manuell zu setzen bzw. ganz genau zu prüfen.

Automatisch Fokusieren:

Je nach Kamera bzw. Objektiv arbeitet der Autofokus verschieden gut bzw. schlecht. Oft kann es vorkommen, dass der Autofokus keinen festen Punkt findet und das Motiv nicht scharfstellen kann. Dies kommt durch den teilweise geringen Kontrastumfang bzw. von zu wenigen Strukturen von hellen sowie dunklen Teilen im Bildausschnitt. Befinden sich genug Strukturen in deinem Bildausschnitt, ist es dem Autofokus meistens möglich, etwas scharf zu stellen. Dies ist zum Beispiel bei einer nächtlichen Stadtaufnahme der Fall. Die vielen Lichter und unterschiedlichen Kontraste machen es dem Autofokus leicht, den richtigen Schärfepunkt zu finden.

Wenn das Motiv es zulässt und der Autofokus seine Arbeit tut, dann empfiehlt es sich, diesen auch zu nutzen. Überprüfe dabei jedoch unbedingt eine vorher gemachte Aufnahme auf dem Kameradisplay und vergrößer diese soweit es geht um eine eventuell aufgetretene Fehlfokusierung und damit eine Unschärfe rechtzeitig zu erkennen.

Ist das Bild trotz Autofokus unscharf oder kurbelt der AF sich einen Wolf und bleibt am Ende doch bei einem vollkommenen unscharfen Motiv stehen, so bleibt dir nichts anderes übrig, als die Schärfe manuell einzustellen. Keine Sorge, das ist kein Hexenwerk und geht recht schnell. Deine Kamera bzw. das Objektiv sollte darum einen manuellen Fokus besitzen.

Manuell Fokusieren:

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, einen manuellen Fokus sehr genau zu setzen. Wir möchten dir hier die Möglichkeiten erläutern, mit denen wir selber schon gute Ergebnisse erzielt haben.

Über den LiveView scharfstellen:

Die einfachste Möglichkeit ist es, den Fokus über den LiveView Modus deiner Kamera einzustellen. Die meisten Kameras verfügen heutzutage bereits über den LiveView Modus. Dieser zeigt das Foto, welches du im Sucher siehst, auf dem Kameradisplay an.

Mit Hilfe einer digitalen Lupe, kannst du das Bild auf dem Display vergrößern. Suche dir auf dem Bild eine Stelle, an welcher du gut die Schärfe beurteilen kannst. Bei einer Stadtaufnahme können das zum Beispiel feinste Strukturen eines Mauerwerkes sein oder eine Straßenlaterne. Je feiner die Strukturen, umso besser kannst du daran die Schärfe beurteilen.

Versuche nun zuerst, mit Hilfe des Autofokus den gewählten Bereich scharf zu stellen. Gelingt dir das, schalte anschließen den Autofokus ab und wechsel auf den manuellen Fokus. Dies solltest du tun, damit der Autofokus beim erneuten drücken des Auslösers nicht wieder erneut fokussieren möchte. Denn du hast die optimale Schärfe ja schon eingestellt.

Sollte der Autofokus aber keinen Schärfepunkt finden, dann musst du wohl oder übel manuell fokussieren. An dem vergrößerten Bereich auf deinem Kameradisplay sollte dies aber ohne Probleme möglich sein.

Wenn du keine Anhaltspunkte in deinem Motiv finden kannst, um die Schärfe korrekt einzustellen, hilft es auch, die Schärfe auf unendlich zu drehen. Da der richtige Schärfepunkt bei den meisten Objektiven aber etwas vor unendlich liegt, solltest du den Schärfering einfach 2-3mm zurück drehen.

Am besten ist es, wenn du dir den exakten Schärfepunkt einfach an deinem Objektiv mit einem kleinen Punkt markierst. Den kannst du ja bei guten Lichtbedingungen herausfinden.

Hinweis: Solltest du den Fokus eingestellt haben und danach eine Änderung der Blende durchführen. So empfehlen wir dir, die Schärfe noch einmal zu checken und ggf. noch einmal neu zu fokussieren. Bei vielen Objektiven ändert sich die Schärfe beim ändern der Blende. Dieser Effekt tritt zwar nur sehr gering auf, um die optimale Schärfe zu erreichen, lohnt sich aber ein erneutes Fokussieren.

Der richtige ISO Wert:

Der ISO-Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensor. Hat man früher in der Analogen Fotografie bei schwierigen Lichtverhältnissen einen Film mit höherer ISO-Empfindlichkeit eingelegt, so ist es heute in der digitalen Fotografie möglich die ISO-Empfindlichkeit des Bildsensor einfach per Knopfdruck zu verändern.

Sollten die Lichtverhältnisse so schwierig werden dass selbst bei offener Blende eine verwacklungsfreie Belichtung aus der Hand heraus nicht mehr möglich ist, da die Belichtungszeit für eine angemessen belichtete Aufnahme zu lang ist, so hast du die Möglichkeit die Lichtempfindlichkeit über den ISO-Wert zu erhöhen. Standardmäßig ist oftmals ein ISO-Wert von 100 eingestellt, welcher aber bei schwierigen Lichtverhältnissen oft zu niedrig ist.

Um also bei gleicher Belichtungs-, und Blendeneinstellung ein verwacklungsfreies Bild zu fotografieren, ist es notwendig den ISO-Wert auf einen Wert von 200, 400 oder höher einzustellen. Bei einer Verschlusszeit von beispielsweise 20 Minuten und ISO100, benötigst du bei selber Blendeneinstellung mit ISO200 nun nur noch 10 Minuten Verschlusszeit, bei ISO 400 nur noch 5 Minuten und bei ISO 800 nur noch 2,5 Minuten. Wenn du die Sensorempfindlichkeit erhöhst, erhöht sich aber auch das sogenannte Bildrauschen und die Störungen im Bildsignal. Bildrauschen wird in Form von grießeln oder Farbklümpchen sichtbar und auch die Leistung des Sensor lässt nach so das hohe Kontraste nicht mehr so gut bewältigt werden können und Farben etwas blasser wirken.

Da deine Kamera bei der Nachtfotografie ausschließlich auf einem Stativ befestigt ist und die meisten Fotos via Fernauslöser aufgenommen werden um so sämtliche Verwacklungen so gering wie möglich zu halten, ist es nicht immer sinnvoll die ISO-Empfindlichkeit über einen Wert von 100 zu erhöhen. Die Belichtungszeit ist somit zwar etwas länger, das Rauschverhalten und die Sensorfehler sind jedoch so gering wie möglich. Somit ist die Bildqualität des fertigen Fotos besser als bei höheren ISO Werten.

Trotzdem kannst du dir die ISO Empfindlichkeit deines Bildsensor bei der Nachtfotografie zu Nutze machen indem du diesen erhöhst um bei Dunkelheit deinen passenden Bildausschnitt zu finden. Stelle den ISO-Wert in diesem Fall auf einen sehr hohen Wert. Nun brauchst du auch bei starker Dunkelheit nur relativ kurz belichten um deine Kamera auf den richtigen Bildausschnitt auszurichten. Hast du diesen gefunden, stelle wieder auf ISO100 zurück da so die beste Bildqualität sichergestellt wird.

Die Belichtung:

Die Verschlusszeit:

Die Verschlusszeit oder auch Belichtungszeit genannt, bestimmt die Dauer in der der Verschluss geöffnet bzw. aktiviert ist und wie lange der Bildsensor belichtet wird. Der Verschluss einer Kamera kann mechanisch oder elektrisch sein. Bei einem mechanischen Verschluss wird der Bildsensor von einer Art Vorhang verdeckt, welcher den Bildsensor beim betätigen des Auslösers über die vorher gewählte Verschlusszeit freigibt und anschließend wieder verdeckt. Bei einem elektrischen Verschluss wird der Bildsensor lediglich über die vorher eingestellte Verschlusszeit lichtempfindlich geschaltet und besitzt keine mechanischen Teile mehr.

In der Nachtfotografie verwendet man wegen der schwierigen Lichtverhältnisse oft eine längere Belichtungszeit. Diese Belichtungszeit kann je nach Einsatzgebiet von einigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden reichen. Das ist notwendig, da der Bildsensor deiner Kamera immer die gleiche Menge Licht benötigt um eine Aufnahme angemessen hell zu belichten. Während am Tag und bei hellem Sonnenschein schon eine Belichtungszeit von wenigen Zehntel Sekunden genügt um das Bild ausreichend hell zu belichten, benötigt deine Kamera Nachts und bei wenig Umgebungslicht dementsprechend länger eine ausreichend hell belichtetes Bild zu erzeugen.

Diese Lichtmenge dosierst du mit Hilfe der Belichtungszeit. Dabei ist es egal, ob nur kurz sehr viel Licht auf den Sensor trifft oder dieser länger mit weniger Licht belichtet werden muss. Deine Kamera sollte darum die Möglichkeit unterstützen, die Belichtungszeit manuell anpassen zu können. Im Bildmodus M kannst du bei den meisten Kameramodellen eine manuelle Belichtungszeit von max. 30 Sekunden, bei anderen Herstellern wie z.B. Olympus max. 60 Sekunden einstellen.

Die Sekunden werden auf dem Display mit einem Gänsefüßchen angegeben. Eine 30“ bedeutet also das die Belichtungszeit auf 30 Sekunden gestellt ist. Fehlen diese Gänsefüßchen, handelt es sich um 1/30 Sekunden, was natürlich um ein vielfaches kürzer ist als 30 Sekunden.

Bei Nachtaufnahmen mit sehr wenig Umgebungslicht sind jedoch oftmals auch Belichtungszeiten von mehr als 30 Sekunden notwendig. Hier kommt der Modus Bulb zum Einsatz. Die Menge des Lichteinfalls und somit auch die Länge der notwenigen Belichtung lässt sich ebenfalls mit dem Einsatz der Blende regulieren.

Die Bulb-Funktion

Die Bulbfunktion ist ein weiterer manueller Modus und wird meistens mit dem Buchstaben „B“ gekennzeichnet. Er dient dazu die Belichtungszeit über den Zeitraum von 30 Sekunden hinweg zu erhöhen. Beim einigen Kameraherstellen ist unter den Bildmodi kein Extra Modus „B“ vergeben. Hier kannst du die Belichtungszeit im Modus „M“ so lange erhöhen bis du über die maximale einstellbare Belichtung von 30 Sekunden hinaus zum Modus „Bulb“ gelangst. Im Gegensatz zum herkömmlichen manuellen Modus „M“, lässt sich hier die Verschlusszeit auf keinen bestimmten Wert einstellen, sondern ist immer auf dem Wert „Bulb“ gestellt. Bulb bedeutet in diesem Fall, das die Kamera so lange belichtet wie der Auslöser betätigt wird. Bei einigen Kameraherstellern kannst du dabei wählen, ob die Kamera so lange belichtet wie der Auslöser gedrückt wird, oder ob du die Belichtungszeit jeweils mit einem kurzen drücken des Auslösers Starten bzw. beenden willst. Mit Hilfe der „Bulb“ Funktion ist es möglich, sehr lange Belichtungszeiten zu verwirklichen welche über den normalen Zeitraum von 30 bzw. 60 Sekunden hinaus reichen. Bei der Verwendung der „Bulb“ Funktion ist es sehr hilfreich einen Fernauslöser zu benutzen, um während einer Belichtung nicht permanent den Kamera Auslöser betätigen zu müssen und somit Verwacklungen zu vermeiden. Bei der Verwendung eines Fernauslösers hast du dann ebenfalls die Möglichkeit, den Auslöseknopf permanent zu betätigen, ihn einrasten zu lassen, oder die Belichtungszeit mit einem kurzen drücken zu beginnen und zu beenden.

Bei dem Gewitterfoto kam zum Beispiel die Bulb Funktion zum Einsatz. Da wir damit die Belichtungszeit exakt bestimmen konnten. Gab es mehr Blitze am Himmel, belichteten wir einfach länger, gab es weniger, ließen wir den Auslöseknopf eher los. Wie du solche Gewitterfotos machen kannst, erfährst du in unserem Artikel „Tipps & Tricks zur Gewitterfotografie„.

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Belichtung: 10 Sekunden, ISO 200, Blende: f8.0, Brennweite: 24mm

Die Belichtungsautomatiken:

Belichtungswarnung:

Wenn das Zusammenspiel zwischen Verschlusszeit und Blendeneinstellung nicht stimmt, kann es vorkommen dass deine Bilder zu hell bzw. zu dunkel belichtet werden. Trifft dabei zu viel Licht auf den Bildsensor, kommt es zu einer Überbelichtung einzelner Bildbereiche oder des gesamten Fotos. Wird das Bild zu kurz belichtet, erscheint es in den zu wenig belichteten Bereichen schwarz. In beiden Fällen ist dann zu viel oder zu wenige Licht auf den Bildsensor getroffen sodass überbelichtete Bereiche in einem reinen weiß leuchten und unterbelichtete Bereiche tiefschwarz erscheinen. Die Pixel in diesen Bereichen beinhalten dann keinerlei Bildinformationen mehr welche auch in einer anschließenden Bearbeitung im RAW Konverter nicht mehr korrigiert werden können. Um dieses Problem zu vermeiden, besitzen die meisten Kameras eine sogenannte Belichtungswarnung, welche zu hell oder zu dunkel belichtete Bereiche im Bild markiert und durch ein blinken anzeigen. Überbelichtete weiße Bereiche werden dann in der Regel rot angezeigt und unterbelichtete schwarze Bereiche in der Farbe Blau.

Belichtungsmessung:

Um deine Belichtung jedoch von Anfang an den Umgebungsbedingungen anzupassen und eine über bzw. Unterbelichtung zu vermeiden, führt deine Kamera eine interne Belichtungsmessung durch. Fotografierst du in einem Automatikprogramm  wie der Programmautomatik (P), der Zeitautomatik (AV) oder der Blendenautomatik (TV), so wählt die Kamera anhand der Belichtungsmessung die richtigen Einstellungen für Blende und Verschlusszeit.

Die Belichtungsmessung erkennt also wie viel oder wie wenig Licht auf den Sensor trifft und ob diese Lichtmenge ausreicht das Bild ausreichend zu belichten. Dabei ist der Sensor immer bestrebt dein Bild weder zu hell noch zu dunkel zu belichten. Möchtest du also zum Beispiel eine helle weiße Winterlandschaft fotografieren, so wählt deine Kamera anhand der Belichtungsmessung automatisch eine Einstellung für Verschlusszeit und Blende aus um das Bild weder zu hell noch zu dunkel zu belichten, weshalb es in diesem Fall dann grau erscheint. Fotografierst du hingegen eine dunkle nächtliche Landschaft, wird die Belichtungsmessung deiner Kamera feststellen das wenig Licht auf den Sensor trifft und die Einstellungen für die Verschlusszeit oder die Blende auf einen Wert einstellen bei der dein Bild auf einen neutralen Wert belichtet wird. Oft führt diese Belichtungsmessung nicht zu den gewünschten Ergebnissen und du musst deine Belichtung manuell korrigieren. In diesem Fall kommt die Belichtungskorrektur zum Einsatz.

Belichtungskorrektur:

Bei manchen Motiven kommt es vor, das die Belichtungsmessung deiner Kamera die Einstellungen für Blende und Verschlusszeit falsch ermittelt und es somit zu falschen Ergebnissen kommt. In diesem Fall sind deine Fotos dann entweder zu hell oder zu dunkel belichtet. Beim Beispiel der zu fotografierenden weißen Winterlandschaft ist es beispielsweise gewünscht, das Motiv so zu belichten, das die strahlend weiße Stimmung des Schnees zur Geltung kommt. Die Belichtungsmessung hat die Einstellungen für das Bild jedoch so gewählt, das dieses neutral grau belichtet ist. Um diese Belichtung zu korrigieren, kommt die Belichtungskorrektur zum Einsatz. Dabei kannst du den Lichtwert der mit den Buchstaben EV angegeben wird entweder erhöhen oder verringern. Wird der Wert auf beispielsweise +1 EV erhöht, gelangt mehr Licht auf den Sensor und das Bild wird heller. Wird der EV Wert auf -1 verringert, gelangt weniger Licht auf den Sensor und das Bild wird dunkler. Die Belichtungskorrektur wird meistens auf der sogenannten Lichtwaage angezeigt. Diese reicht meistens von -3 über 0 bis +3. Negative EV Bereiche dunkeln ab bzw. verkürzen die Belichtungszeit und positive EV Bereiche hellen auf bzw. verlängern die Verschlusszeit.

Die richtige Blende:

Die Blende stellt für viele Benutzer einer Kamera ein Buch mit sieben Siegeln dar, doch wenn man einmal das Prinzip der Blende verstanden hat, fällt es gar nicht mehr so schwer diese auch richtig zu benutzen und immer den richtigen Blendenwert zu finden. Um die Vorzüge einer Blende und dessen Eigenschaften auf ein bestimmtes Motiv zu nutzen, ist es wichtig dass deine Kamera das manuelle einstellen der Blende ermöglicht. Nur so kannst du bestimmte Eigenschaften dir zu Nutze machen und deinem Bildern eine ganz bestimmte Stimmung verpassen.

Die Blende regelt die Lichtmenge die durch das Objektiv auf den Bildsensor trifft und wird mit dem Buchstaben „f“ angegeben. In deinem Kameradisplay steht dann neben der Verschlusszeit von z.B. 5 Sekunden ein Wert f5.6 oder f8.0.

Man kann eine Blende einfach mit der Pupille unseres Auges vergleichen. Diese öffnet bzw. schließt sich ebenfalls um den Lichteinfall auf die Netzhaut zu regulieren. Genau dasselbe macht die Blende, sie lässt je nach eingestelltem Wert mehr bzw. weniger Licht in das Objektiv bzw. auf den Sensor indem sie die Öffnung durch die das Licht fällt vergrößert oder verkleinert, genau so wie es die Pupille im Auge tut. Wenn du in ein helles Licht schaust, wird deine Pupille im Auge kleiner damit du nicht zu sehr von dem Licht geblendet wirst. Die Blende schließt man in diesem Fall, damit das Foto nicht überbelichtet wird da durch eine große Blende zu viel Licht auf den Sensor gelangen würde.

Mit der Blende kannst du aber auch den Stil deiner Aufnahme verändern. In diesem Abschnitt des Artikels gehen wir daher einen Schritt weiter und erklären dir, wie du die Blende gezielt als Bildgestalterisches Element nutzen kannst.

Vorder- bzw. Hintergrund abheben

Du kennst sicherlich diese Fotos, auf denen der Vordergrund scharf ist und der Hintergrund eine leichte oder manchmal sogar starke Unschärfe besitzt. Dieser Effekt ist auf die Wahl der Blendeneistellungen zurückzuführen. Denn je weiter du die Blende öffnest, umso mehr hebt sich der fokussierte Vordergrund vom Hintergrund ab. Hierfür ist aber eine geringe Distanz zum Vordergrund nötigt. Bei diesem Effekt spricht man auch von der Schärfentiefe, welcher die Ausdehnung des Scharfen Bereichs im Bild darstellt.

Irreführend ist meistens die Angabe der Blende. Denn ein kleiner Blendenwert wie 2.8 oder 4.0 bedeutet eine weit geöffnete Blende und somit viel Lichteinfall auf den Sensor. Ein großer Wert wie 22 bedeutet dass die Blende geschlossen ist und nur sehr wenig Licht den Sensor erreicht. Der Grund ist, dass die Blendenwerte eigentlich Verhältnisse sind. Der Wert beschreibt also das Verhältnis von Brennweite zu Blendenöffnung. Ein kleiner Wert ist bedeutet daher eine große geöffnete Blende, ein großer Wert dementsprechend eine kleine geschlossene Blende.

Bei dem unteren Foto haben wir zum Beispiel nur die Glaskugel scharf gestellt. Damit der Hintergrund nicht zu sehr in eine Unschärfe verschwindet, öffneten wir die Blende nicht vollständig. Trotzdem hebt sich die scharfe Kugel wunderbar vom Hintergrund ab. Eigentlich war das Bild in der Kugel noch um 180° gedreht. Dies liegt an der Lichtbrechung in der Kugel. Wir haben den Kugelinhalt anschließend per Bildbearbeitung um 180° gedreht.

Gekugeltes Dresden.

Belichtung: 8 Sekunden, ISO 100, Blende: f10.0, Brennweite: 40mm

Die Schärfentiefe kannst du also mit Hilfe der Blende steuern. Wählst du beispielsweise eine kleinere Blendenöffnung, also einen großen Blendenwert, so besitzt dein Bild eine ausgedehnte Schärfentiefe und der gesamte Inhalt erscheint von vorn bis hinten scharf. Nur sehr nah am Objektiv befindliche Dinge würden leicht Unscharf sein.

Fotografierst du hingegen mit einer geöffneten Blende, also einem kleinen Blendenwert, so besitzt dein Bild eine eingeengte Schärfentiefe. Je nachdem wo dein Fokuspunkt sitzt, also der Punkt auf dem du dein Motiv scharf gestellt hast,  erscheint der Vorder- bzw. Hintergrund im Bild unscharf. Mit kleiner werdenden Blendenöffnung erhöht sich also der Schärfebereich während er sich mit größer werdender Blendenöffnung  verkleinert.

Blende-Skala

Mit Hilfe der Brennweite kannst du diesen Effekt der Schärfentiefe zusätzlich noch weiter steuern. Mit einem Weitwinkelobjektiv erzeugst du bei gleichbleibender Weite zum fotografierenden Objekt eine größere Schärfentiefe als bei einem Teleobjektiv mit einer längeren Brennweite. Möchtest du also gezielt eine Unschärfe in dein Bild einbauen, so kannst du diese mit Hilfe der Blendeneinstellung auf deinem Motiv anpassen. Zu beachten ist dabei, dass die Wahl der richtigen Fokussierung dabei unumgänglich ist. Je nachdem wo du deine Unschärfe erzeugen möchtest, musst du den Vordergrund bzw. den Hintergrund fokussieren. Bei fokussiertem Hintergrund  erscheint dein Vordergrund Unscharf während bei fokussiertem Vordergrund der Hintergrund unscharf erscheint.

Mit Hilfe der Blende kannst du außer der Schärfentiefe auch andere Eigenschaften deines Bildes beeinflussen. So lassen sich auch das Aussehen und die Wirkung von Wasserflächen und Lichtquellen auf den Betrachter mit der Blende steuern bzw. beeinflussen.

Wirkung von Wasserflächen:

Die Wirkung von Wasser kann durch die Wahl von verschiedenen Blenden im Zusammenspiel mit der Belichtungsdauer beeinflusst werden. So wirkt das Wasser bei einer Blendeneinstellung von 22 (geschlossene Blende) und einer langen Belichtungszeit eher schleierhaft und verwaschen, bei einer Blendeneinstellung von 4 sowie einer kurzen Belichtungszeit wirkt das Wasser scharf und detailreich. Dies liegt daran, weil du mit einer geöffneten Blende viel mehr Licht in kürzerer Zeit einfangen kannst. Wellen oder Bewegungen des Wassers werden hierbei besser dargestellt als bei einem Foto, wo du durch eine geschlossene Blende länger belichten musst. Denn je länger du belichtest, umso deutlicher nimmst du die Bewegungen des Wassers auf. Nach einer gewissen Zeit wirkt das Wasser deiner Aufnahme dann nicht mehr scharf und Detailreich, sondern eher glatt und schleierhaft.

Dies kommt zustande, weil eine offene Blende wie bereits beschrieben mehr Licht auf den Sensor lässt und das Bild somit kürzer belichtet werden kann. Eine geschlossene Blende lässt wenig Licht herein und das Bild muss länger belichtet werden. Das sich rasch bewegende Wasser erscheint dann unscharf und verwaschen da es sich während der Belichtung andauernd bewegt hat.

Dieser Effekt wird auf dem unten zu sehenden Foto deutlich. Mit einer geschlossenen Blende konnten wir länger belichten. Während der Belichtungszeit schwappten die Wellen eines vorbeigefahrenen Schiffes um die vielen kleinen Steine. Da die Steine somit ab und zu im Wasser und ab und zu im trockenen lagen, entstand der Schleiereffekt.

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Belichtung: 70,4 Sekunden, ISO 100, Blende: f22.0, Brennweite: 32mm

Für Springbrunnen eignet sich oft die verwaschene Darstellung, bei Flüssen oder Seen kann das zu weiche Wasser jedoch schnell unnatürlich aussehen. Das man aber auch das Wasser eines Flusses gut länger belichten kann, zeigt das obere Beispiel. Die Wirkung des Wassers hängt jedoch weitgehend von der Belichtungszeit sowie der Fließgeschwindigkeit des Gewässers ab.

Aussehen von Lichtquellen:

Weiterhin kannst du mit der richtigen Blende und der Belichtungszeit auch die Darstellung von Lichtern auf deinem Foto beeinflussen. Mit einer Blendeneinstellung von 4 und einer kurzen Belichtungszeit wirken die Lichtquellen und deren unmittelbare Umgebung leicht verwaschen, die Abstrahlung des Lichtes ist gleichmäßig.

lichtquellen-skala

Wählst du jedoch eine Blendeneinstellung von 22 sowie eine lange Belichtung, so bilden sich um die Lichtquellen Strahlen die am Ende wie Sterne aussehen. Wie stark diese sogenannten Blendenstrahlen auf dem Bild erscheinen, bestimmst du mit der Blendeneinstellung und der Länge der Verschlusszeit. Je nachdem wie dein Bild später wirken soll, kannst du das Aussehen dieser Strahlen beeinflussen.

blendensterne

In diesem Beispiel haben wir die Blende nacheinander von f1.4 bis f16 geschlossen. Man kann gut erkennen wie sich dabei das Aussehen des Lichtpunktes ändert.

Das unten zu sehende Foto wurde mit einer geschlossenen Blende von f22.0 fotografiert. Dadurch sind die Strahlen um alle Laternen besonders deutlich ausgeprägt. Auch um das helle Grünlicht der Ampel im rechten Teil des Bildes haben sich deutliche Strahlen gebildet. Hier haben wir diesen Effekt bewusst eingesetzt um die winterliche Stimmung noch weiter zu unterstreichen.

00349 | Blick von der Carolabrücke auf die winterliche Altstadt

Belichtung: 30 Sekunden, ISO 100, Blende: f22.0, Brennweite: 45mm

Aber warum entstehen diese Strahlen um alle Lichtquellen? Ist die Blendenöffnung weit geöffnet, so bildet sie eine fast kreisrunde  Öffnung im Objektiv, in dieser Stellung treten die Blendenstrahlen nur sehr gering oder gar nicht auf. Weist die Blende jedoch eine kleine  Öffnung auf, so wie es bei einer geschlossenen Blende der Fall ist, dann bilden sich durch die eckige Anordnung der Blendenlamellen Strahlen um die Lichtquelle, was diesen Effekt verursacht. Die Anzahl der Strahlen hängt von der Anzahl der Blendenlamellen im Objektiv ab. Bei einer geraden Lamellenzahl ist sie gleich, bei ungerader Lamellenzahl hat der „Stern“ doppelt so viele Strahlen. Bei Objektiven die bereits Bauart bedingt zu jedem Zeitpunkt eine Kreisrunde Blendenöffnung haben, tritt dieser Effekt nicht auf. Dies ist aber nur selten der Fall.

Du kannst also ohne Hilfe von zusätzlichen Filtern einen Sterneffekt um alle Lichtquellen zaubern. Wenn du diesen Effekt verstärken willst, helfen sogenannte Sternfilter welche vor das Objektiv geschraubt werden können. Sie besitzen ganz feine eingefräste Rille auf dem Glas welche dafür sorgen, das Lichtquellen sehr ausgeprägte Sternchen auf dem Foto erzeugen.

Fotos bei Nacht?
Nimm Blende 8!

Die richtige Brennweite:

Weitwinkel oder Zoom? Die Brennweite eines Objektives beschreibt den Blickwinkel den du siehst. Je geringer deine Brennweite ist, desto größer ist der auf den Bildsensor gelangende Blickwinkel. Je höher die Brennweite ist, desto kleiner ist der Blickwinkel und umso näher kannst du weit entfernte Objekte heranzoomen.  Bei der Wahl der richtigen Brennweite kommt es hauptsächlich auf das zu fotografierende Motiv an. Möchtest du eine enge Gasse oder eine normale Landschaftsaufnahme bei Nacht machen oder möglichst viel Umgebung auf deinem Bild haben, so solltest du dich für eine geringere Brennweite entscheiden und zu einem Weitwinkelobjektiv greifen.

Landschaftsaufnahmen der Sächsischen Schweiz oder Nächtliche Aufnahmen der Dresdner Innenstadt fotografieren wir zum Beispiel fast immer mit einer Brennweite von 24-85mm. Stehst du relativ nah am zu fotografierenden Objekt, sind solche kürzeren Brennweiten auch unumgänglich, da du mit einer höheren Brennweite viel zu viel vom gewünschten Motiv abschneidet und sich der durch die Kamera wahrnehmbare Blickwinkel verkleinert.

Ganz anders sieht es aus, wenn du Details eines Motives fotografieren möchten oder beispielsweise den Aufgehenden Mond möglichst groß auf Bild bannen möchtest. In diesen Fällen empfiehlt es sich, ein Objektiv mit einer möglichst hohen Brennweite zu nutzen. Dein Blickwinkel soll sich auf einen bestimmten Bereich beschränken welcher weiter weg ist als deine nahliegende Umgebung. Um beispielsweise den Vollmond für den Betrachter des Bildes zur Umgebung vergleichsweise riesig darzustellen, nutzen wir immer eine Brennweite von 400mm. Beachte dabei jedoch, das sich dein Fotostandpunkt sehr weit vom eigentlichen Motiv entfernt befinden muss. Denn um den Mond mit vollen 400mm Brennweite mit einer schönen Kulisse, beispielsweise hinter einer Kirche fotografieren zu können, wird der gesamte Bildinhalt mit 400mm Brennweiter herangezoomt. Um die Kirche hinter der der Vollmond dann aufgehen soll also in scheinbar normaler Größe im Bild festzuhalten, muss der Fotostandpunkt weit von dieser entfernt sein. Bei einer Brennweite von 400mm kann diese Entfernung zum zu fotografierenden Objekt je nach Größe mehrere Kilometer betragen.

Auf dem fertigen Foto erscheint die Kirche dann in scheinbar normaler Größe, der Mond hingegen wirkt vergleichsweise riesig und nahezu surreal. Solche spannenden und für den Betrachter manchmal unrealistische Bilder sind schlussendlich also alles nur eine Sache der richtigen Perspektive. wink

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Belichtung: 30 Sekunden, ISO 100, Blende: f5.6, Brennweite: 400mm (verwendetes Objektiv)

Bei dem oben zu sehenden Foto zum Mondaufgang am 17.04.2014 befanden wir uns zum Beispiel ca. 9,5km Luftlinie von der Dresdner Innenstadt entfernt. Durch die klare Luft, konnte man diese aber mit einem 400mm Objektiv sehr gut erkennen. Das gesamte Foto wurde mittels 400mm Brennweite also sehr nah rangezoomt. Da die Innenstadt inklusive der bekannten Bauwerke aber sehr weit entfernt war, konnten wir eine beeindruckende Aufnahme des aufgehenden Mondes fotografieren. Hier erfährst du, wie das Foto genau entstanden ist.

Gestaltungsmöglichkeiten:

Mit der richtigen Brennweite, kannst du also völlig neue Motive verwirklichen. Hierfür ist aber in den meisten Fällen auch eine gewisse Planung notwendig. Denn du musst beispielsweise wissen, wann und wo die Sonne oder der Mondaufgehen wird, um diese Objekte auch sinnvoll in deinem Motiv einbauen zu können. Mit genügend Brennweite kannst du also surreale Fotos erstellen, welche aber dennoch vollkommen ohne Montage per Bildbearbeitung umgesetzt wurden.

Einen anderen besonderen Effekt kannst du aber auch mit extrem wenig Brennweite erzielen. Mit sogenannten Weitwinkel- oder Fisheyeobjektiven kommst du sehr nah an das Motiv heran ohne dass beispielsweise das Gebäude aus deinem Bildausschnitt ragt. So kannst du Fotos umsetzen, welche mehr Inhalte zeigen, also in der Regel mit einem Standardzoom möglich ist.

Die Zeit:

Die Blaue Stunde:

Mit dem passendem Zeitpunkt der Aufnahme kannst du auch die spätere Stimmung des Bildes bestimmen. So zählt die Blaue Stunde zur beliebtesten und empfehlenswertesten Zeit der Nachtfotografie. Die Blaue Stunde gehört zu den spannendsten Zeiten in der Fotografie und beschreibt die Zeit zwischen der Dämmerung des Sonnenunter- bzw. Aufgangs und nächtlicher Dunkelheit.

Die Blaue Stunde zaubert ein tiefblaues Licht in den Himmel welches perfekt mit der Umgebung harmoniert. So sind zu diesem Zeitpunkt beispielsweise die Beleuchtungen von Städten bereits eingeschaltet, der Himmel ist jedoch noch nicht sehr dunkel und erstrahlt in einem tiefblauen Licht, welches sich auch auf die Umgebung überträgt. Sollten sich Wolken am Himmel befinden, heben diese sich vom Blau ab und erzeugen tolle Effekte.

Das unten zu sehende Foto entstand zum Beispiel zur Blauen Stunde, während der Mond über der Dresdner Altstadt aufging. Der Himmel war noch ausreichend hell, die Stadtbeleuchtung bereits eingeschaltet. Eine herrliche nächtliche Stimmung.

Dresden zur Blauen Stunde

Belichtung: 2 Sekunden, ISO 100, Blende: f4.0, Brennweite: 65mm (verwendetes Objektiv)

Um den richtigen Zeitpunkt jederzeit zu ermittelt, gibt es viele nützliche Smartphone Apps. Mit diesen kannst du die genauen Blaue Stunde Zeiten an jedem beliebigen Standpunkt berechnen und anzeigen lassen. Bei uns kommt die sehr geniale App Sun Surveyor zum Einsatz. Neben der Ausgabe der gewünschten Zeiten, berechnet die App auch den aktuellen Stand der Sonne oder des Mondes. Sogar das helle Zentrum der Milchstraße und dessen aktuelle Position am Himmel wird angezeigt. Das ist gerade für nächtliche Sternaufnahmen sehr sinnvoll.

Du kannst also schnell und einfach die Zeit des Sonnenauf- bzw. Unterganges für einen beliebigen Standort ausgeben lassen. Dasselbe gilt übrigens auch für den Mond. Nur damit war es uns möglich, diese eindrucksvollen Aufnahmen des aufgehenden Mondes zu machen wie du sie oben gesehen hast. Denn wir wussten genau, wann und wo der Mond am Horizont auftauchen wird. Auch das unten zu sehende Foto war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort möglich. Die App zeigte uns, wann die Sonne am geplanten Standort aufgehen sollte. Mit diesem Wissen setzten wir das Foto um.

00347 | Die Dresdner Altstadt zum Sonnenaufgang

Belichtung: 1/800 Sekunden, ISO 100, Blende: f8.0, Brennweite: 400mm (verwendetes Objektiv)

Möchtest du den Mond oder die Sonne zu einem Bestandteil deines Bildes machen, so benötigst du meistens eine Tele-Brennweite. Mit dieser kannst du beispielsweise den Mond nah genug heran zoomen und bekommst viele Details ins Bild. Beachte jedoch, dass bei längeren Belichtungszeiten der Mond unscharf auf dem Bild erscheint. Dies liegt an der eigenen Bewegung des Mondes bzw. an der Erdrotation und lässt sich nur mit einer darauf spezialisierten Ausrüstung vermeiden.

Solltest du beispielsweise den aufgehenden Mond hinter einem Gebäude mit einer großen Brennweite, also viel Zoom fotografieren wollen, achte darauf das dein Fotostandpunkt schon ein ganzes Stück vom eigentlichen Motiv entfernt ist. Nur so gelingt dir ein surrealer Effekt des großen heran gezoomten Mondes während Gebäude so erscheinen als würdest du davor stehen.

Fototipp: Oft kommt es vor, dass störende Lichtreflexionen im Bild entstehen. Gerade bei starken Sonnenlicht ist dies nicht zu vermeiden. Mit einem einfachen Trick kannst du störende Reflexionen im Foto jedoch fast vollkommen beseitigen. Hierfür musst du einfach 2 Fotos machen. Das erste fotografierst du ganz normal mit den passenden Einstellungen. Das zweite Foto fotografierst du mit exakt denselben Einstellungen, bedeckst diesmal aber mit deinem Finger die Sonne. Du wirst sehen dass die störenden Lensflares im Bild verschwinden. Nun kannst du am Rechner die Bereiche, die durch diese Lensflares gestört sind, durch die Bereiche des zweiten Bildes ersetzen.

Fototipp 2: Bekommst du die Reflexionen mit dem oben genannten Trick nicht in den Griff? Dann gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Wenn es das Motiv zulässt, kannst du versuchen, die Blende deines Objektives auf das maximal mögliche zu öffnen. Stelle deine Blende also auf den niedrigsten Blendenwert. Dies sorgt zwar dafür, dass der unmittelbare Vordergrund unscharf erscheint, es lässt aber auch oft die störenden Reflexionen verschwinden. Probiere es einfach mal aus.

Warnung: Achte beim Fotografieren der Sonne mit großen Brennweiten bitte auf deine eigene Sicherheit. Niemals solltest du ein Teleobjektiv direkt auf die Sonne richten und dabei durch den Sucher deiner Spiegelreflexkamera schauen. Die Linsen in deinem Objektiv wirken wir eine Lupe bzw. Brennglas und der Spiegel leitet dieses grelle Licht direkt in den Sucher. Wir raten daher ab, die Sonne durch den Sucher zu beobachten. Nutze hierfür die LiveView Funktion deiner Kamera. Diese zeigt das Bild auf dem Display an. Bei einer Systemkamera besteht diese Gefahr in der Regel nicht, da diese im Sucher ebenfalls ein Display besitzt und du daher nicht direkt in die Sonne schaust.

Du solltest auch nicht zu lange direkt die Sonne mit deiner Kamera anvisieren. Zum Sonnenauf- bzw. Untergang ist das Licht zwar nicht sofort schädlich für den Bildsensor, man sollte es aber nicht übertreiben. In die grelle Mittagssonne solltest du ohne geeignete Schutzfilter generell niemals blicken.

Die Goldene Stunde:

Ebenfalls sehr beliebt ist die Goldene Stunde. Sie tritt am Abend vorm einsetzen der Blauen Stunde ein und beschreibt die Zeit zum Sonnenuntergang. Viel deutlicher ist die Goldene Stunde aber zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs ausgeprägt. Wenn die Sonne am Horizont aufgeht, taucht sie die Umgebung in ein wunderschönes warmes Licht. Alles wirkt zu dieser Zeit völlig anders als beispielsweise zur Mittagszeit.

Das unten zu sehende Foto entstand zum Beispiel während einer Ballonfahrt kurz nach Sonnenaufgang. Die Sonne befand sich also noch knapp über dem Horizont und tauchte alles in wunderschöne Farben. Gerade auf den Sandsteingebäuden der historischen Dresdner Altstadt kommt diese Goldene Stunde besonders gut zur Geltung. Weiterhin wirft alles sehr lange Schatten, was dem Foto noch mehr Stimmung verleiht. Wenn du also zeitig genug aufstehst, wirst du mit einer tollen Stimmung belohnt.

Dresden zur Goldenen Stunde

Belichtung: 1/250 Sekunden, ISO 100, Blende: f4.0, Brennweite: 65mm (verwendetes Objektiv)

Die Nacht:

Neben der Goldenen sowie der Blauen Stunde, bietet aber auch die tiefste Nacht besondere Motive. In diesem Fall ist der Himmel bereits völlig Dunkel. Im besten Fall funkeln sogar die Sterne am Himmel. Bei so wenig Licht verlängern sich natürlich auch die Belichtungszeiten. Mit etwas Geduld gelangst du aber zu schönen Nachtaufnahmen.

Beim unteren Foto war es zum Beispiel schon sehr dunkel. Die Sonne war seit mehreren Stunden untergegangen. Mit einem lichtstarken Objektiv und einer sehr weit geöffneten Blende, konnten wir aber noch das Restlicht der Sonne am Horizont fotografisch festhalten. Es war aber bereits schon so dunkel, das die Sterne hoch am Himmel funkelten. Um viel Himmel aufs Foto zu bekommen, wählten wir hier das Hochformat sowie wenig Brennweite. Ein solches Foto ist aber auch mit einer weniger geöffneten Blende möglich, allerdings muss hierfür dann auch länger belichtet werden.

00341 | Königsufer, Innere Neustadt, Dresden

Belichtung: 2 Sekunden, ISO 100, Blende: f1.4, Brennweite: 24mm (verwendetes Objektiv)

Der Standpunkt:

Grundlagen zum richtigen Standpunkt:

Als aller erstes ist es wichtig, überhaupt einmal ein passendes Nachtmotiv zu finden und sich dann den passenden Fotostandpunkt heraus zu suchen. Du solltest bei der richtigen Wahl deines Fotostandpunktes beachten, dass du so gut wie möglich ungestört bist. Da die Wahl der richtigen Einstellungen oder das herausfinden des optimalen Bildausschnittes und dann das eigentliche gestalten des Bildes eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen werden, solltest du sicher gehen, das du deinen gewählten Standpunkt auch nicht so schnell wieder verlassen musst.

Wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, unseren Standpunkt mitten im Geschehen doch noch einmal wechseln zu müssen. Sei es weil die Wellen eines vorbei fahrenden Dampfers an der Elbe unsere zu dicht am Wasser stehende Kamera einfach umgeworfen hätten, oder vorbeifahrende Autos störende Vibrationen oder Lichtspiegelungen erzeugt haben.

Der Standpunkt gehört demnach mit zu den wichtigsten Grundregeln der Nachtfotografie und sollte sorgfältig ausgesucht werden. Möchtest du beispielsweise Gebäude oder ganze Städte bei Nacht fotografieren, so ist ein hoher Standpunkt gut. Nutze hierfür am besten Aussichtspunkte von Gebäuden oder umliegende Berge.

Um unnötige Verwacklungen zu vermeiden, achte auf Störungen aus der unmittelbaren Umgebung. Hast du zum Beispiel einen Standpunkt auf einer Brücke ausgesucht, so können darauf fahrende Autos, Züge oder Straßenbahnen die Brücke in Schwingungen versetzen. Diese Schwingungen werden auch auf die Kamera übertragen und sorgen für unschöne Verwacklungen auf dem Bild. Ist es zu dunkel um den richtigen Standort bzw. Bildausschnitt zu erkennen, hilft es hin und wieder ein paar Testaufnahmen zu erstellen. Hierfür kannst du den ISO Wert zum Beispiel auf das Maximum stellen sowie die Blende soweit es geht öffnen. Mit diesen Einstellungen nimmt deine Kamera das Maximum an dem verfügbaren Licht auf ohne dass du unnötig lang belichten musst um deinen gewählten Bildausschnitt zu checken. In einer dunklen Gegend reicht es dann wahrscheinlich aus, nur 1-2 Minuten zu belichten. Das Foto wird dann sicherlich stark rauschen und die offene Blende kann für unerwünschte Unschärfe in nahen Bereichen sorgen, doch es ist ja nur ein Testfoto mit dem du den richtigen Bildausschnitt prüfen kannst wenn es für den LiveView oder den Blick durch den Sucher bereits zu dunkel ist.

Weiterhin ist es manchmal ratsam, einen geplanten Fotostandpunkt bereits am Tag zu besuchen. Denn bei Tageslicht kannst du dir einen besseren Überblick von der Umgebung machen und beispielsweise schon passende Perspektiven oder Motive entdecken. Wenn du dann eine schöne Idee für ein Foto gefunden hast, kannst du im dunklen wiederkommen und das Foto dann so umsetzen wie du es geplant hast.

Den Standpunkt des unten zu sehenden Fotos haben wir zum Beispiel schon oft am Tag besucht. Wir wussten daher ganz genau, auf welche Dinge man im dunklen achten Sollte. Dieses Foto entstand zum Beispiel mitten in der Nacht gegen 3 Uhr. Es herrschte Nebel und die meiste Stadtbeleuchtung war bereits ausgeschaltet.

Die Brühlsche Terrasse in tiefster Nacht

Belichtung: 1 Sekunde, ISO 100, Blende: f1.4, Brennweite: 24mm (verwendetes Objektiv)

Ein weiteres Einsatzgebiet der Nachtfotografie ist die Astrofotografie oder das Fotografieren von Gewittern oder Feuerwerken, da diese meistens bei Dunkelheit stattfinden.

Den Sternhimmel fotografieren:

Beim Fotografieren des Sternenhimmel ist gar nicht so viel zu beachten. Um möglichst viele Sterne zu sehen und fotografieren zu können, ist es ratsam einen Ort aufzusuchen, an dem es sehr dunkel ist und nur wenig störendes Umgebungslicht vorhanden ist. Bei diesem Umgebungslicht welches durch umliegende Städte oder Straßenlaternen erzeugt wird, spricht man von der sogenannten Lichtverschmutzung. Dabei wird das zum Beispiel von Straßenlaternen erzeugte Licht vom Boden in den Himmel reflektiert. Der in der Luft befindliche Staub reflektiert das Licht ebenfalls weshalb das eh schon schwache Sternenlicht überdeckt und somit schwerer wahrnehmbar ist. Stehst du hingegen an einem sehr dunklen Ort, weit entfernt von möglich störenden Lichtquellen, so wirst du merken dass viel mehr Sterne zu erkennen sind und du demnach noch eindrucksvollerer Fotos des Sternenhimmel machen kannst.

Hinweis: Weitere nützliche Tipps und Tricks zur Astrofotografie findest du im eigens dafür geschrieben Artikel. Hier geht es zu den Tipps & Tricks zum Thema Sterne fotografieren.

Feuerwerk fotografieren:

Hast du vor ein Feuerwerk zu fotografieren so gibt es bei der Standortwahl auch ein paar Dinge zu beachten.
Es gibt nichts störenderes als Feuerwerksbilder auf denen irgendwelche Leute im Bild herum laufen. Aus diesem Grund solltest du einen erhöhten Standpunkt aufsuchen. Durch die Größe des Feuerwerkes brauchst du nicht direkt vor Ort sein, auch größere Entfernungen können oft sehr reizvoll sein. Erlaubt es dein Standort, das Feuerwerk mit der Umgebung verschmelzen zu lassen, versuche einige Bildteile mit in dein Motiv einzubauen. Nah liegende Gebäude oder eine Brücke sorgen für mehr Details auf dem Foto und verdeutlichen gut die enorme Größe eines Feuerwerkes. Du solltest weiterhin aufpassen, dass keine anderen Leute deine Kamera bzw. das Stativ anrempeln können und so das ganze Bild ruinieren. Ein ruhiger Platz bietet dir genug Fläche die Fotos zu schießen und trotzdem das Feuerwerk zu genießen.

00348 | Dresden zum Jahreswechsel 2015/2016

Belichtung: 3x3,2 Sekunden, ISO 100, Blende: f7.1, Brennweite: 105mm (verwendetes Objektiv)

Im Bereich der Feuerwerksfotografie spielt die Umgebung nur eine Nebenrolle. Trotzdem solltest du versuchen einige Gebäude oder Bauwerke in deinem Bildausschnitt einzubeziehen. Markante Gebäude oder die Silhouette deiner Stadt geben dem Foto eine Vielzahl von zusätzlichen Details. Achte jedoch darauf, das sich im Bereich deines Bildausschnittes keine hellen Lichtquellen wie zum Beispiel Straßenlaternen befinden. Durch die längeren Belichtungszeiten können diese störende Reflexionen im Bild erzeugen. Befindet sich eine Wasserfläche in der näheren Umgebung, dann versuche diese in deinem Bildausschnitt zu platzieren. Die sich im Wasser reflektierenden Effekte peppen dein Bild ungemein auf.

Hinweis: Weitere nützliche Tipps und Tricks zur Feuerwerksfotografie findest du im eigens dafür geschrieben Artikel. Hier geht es zu den Tipps & Tricks zum Thema Feuerwerke fotografieren.

Gewitter fotografieren:

Die meisten Regeln gibt es beim fotografieren von nächtlichen Gewittern zu beachten. Da Gewitter oft in der Nacht stattfinden oder auch den Tag zur Nacht machen, zählen wir dieses Thema mit zur Nachtfotografie. Beim Fotografieren eines Gewitters ist das höchste Gebot die Sicherheit. Der allererste und wichtigste Punkt bei der Wahl des richtigen Fotostandpunkt ist der, gut vor einem nahenden Gewitters geschützt zu sein. Dabei musst du nicht immer aus geschlossenen Räumen durch dein Fenster fotografieren. Auch im Freien gibt es genügend Möglichkeiten ein Gewitter zu Fotografieren ohne dabei ein Unkalkulierbares Risiko einzugehen.

Für die Sicherheit deiner Gesundheit und Kamera solltest du auf jeden Fall auf einen geschützten Standort achten. Hierfür bieten sich auch breite Brücken, Durchgänge, Gebäudeeingänge oder ähnliches sehr gut an. Diese schützen dich und deine Technik vor dem Regen und insbesondere vor der Gefahr vom Blitz getroffen zu werden. Beachte aber, dass es unter Brücken und Durchgängen auch besonders windig werden kann. Deine Kamera muss deshalb sicher stehen sodass sie nicht umkippen kann.

Um dein Gewitterfoto noch schöner zu gestalten, solltest du einen Standpunkt wählen, welcher ein ansprechendes Motiv ermöglicht. Suche dir wenn möglich ein Motiv, welches selbst ohne Gewitter schön und interessant aussieht. Kommt nun das erhoffte Gewitter und zaubert faszinierende Blitze in dein Motiv, hast du die Begeisterung auf jeden Fall auf  deiner Seite.

Hinweis: Weitere nützliche Tipps und Tricks zur Gewitterfotografie findest du im eigens dafür geschrieben Artikel. Hier geht es zu den Tipps & Tricks zum Thema Gewitter Fotografieren.

Die Beleuchtung vor Ort:

Wichtig ist auch die richtige Beleuchtung vor Ort. Achte darauf, dass sich wenn möglich keine oder wenn, dann nur wenige helle Lichtquellen in deinem Bildausschnitt befinden. Diese lassen sich zwar nicht immer vermeiden, können aber unschöne Reflexionen im Objektiv verursachen, welche dann auch auf dem Bild sichtbar sind. Oftmals reicht es schon aus, den Standpunkt um wenige Meter zu ändern oder die Kamera in einen schattigen Punkt zu stellen.

Bringen die genannten Dinge keinen Erfolg, kann auch eine Gegenlichtblende wahre Wunder bewirken. Sie sorgt dafür, dass kein direktes Licht von der Seite auf die Linse gelangt. Kommt es zur Überstrahlungen im Bildausschnitt, so kannst du die Belichtungskorrektur (Ev) deiner Kamera nutzen. Hierbei wird der Lichtwert geändert, was bei gleichbleibender Belichtungszeit dem Ändern der Blende entspricht. (Beispiel: -2 / -1 / 0 / +1 / +2) Stelle die Werte deiner Kamera komplett manuell ein, so kannst du die Blende sowie die Verschlusszeit auch ohne die Belichtungskorrektur anpassen und überstrahlte Stellen in deinem Bild verringern oder sogar vermeiden.

Sollten sich helle Lichtquellen hinter dir befinden, verschließe den Sucher deiner Kamera am besten mit einer Abdeckung oder halte ihn mit deiner Hand zu. Es reicht auch einfach, wenn du mit deinem Körperschatten die helle Lichtquelle wie zum Beispiel eine Laterne abdeckst. So wird verhindert, dass unerwünschtes Licht über den Spiegelkasten bis auf den Sensor gelangt. Dieses Problem tritt nicht bei den Systemkameras auf da solche Modelle keinen Spiegel mehr besitzen.

Das Motiv:

Grundlagen zur Motivwahl:

Bei der Bildgestaltung spielen viele Faktoren eine Rolle um dein Foto ausdrucksstärker und spannender als andere Bilder zu gestalten. Neben der Wahl des richtigen Bildausschnittes, machen oft die richtige Bildgestaltung und die Wahl der Perspektive den entscheidenden Unterschied, ob dein Bild am Ende mehr Aufmerksamkeit bekommt als andere. Hinweis: Diese Tipps kannst du nicht nur in der Nachtfotografie anwenden. Sie passen generell auch super in die Architektur- oder Landschaftsfotografie.

Bildaufbau:

Sorge für mehr Dynamik – Auch Dynamik verzaubert deine Nachtbilder in ausdrucksstarke Fotos. Belichte zum Beispiel eine befahrene Straße etwas länger, so bilden die entlangfahrenden Autos Lichtspuren und bringen eine spannende Bewegung ins Bild. Auch ein Rummel oder eine befahrene Kreuzung kann das ein oder andere perfekte Bild entstehen lassen. Entscheide dich dabei vorher ob du ein Hochformat oder Querformat Foto machen willst. Willst du zum Beispiel einen hohen Kirchturm oder ein Feuerwerk fotografieren, ist es wahrscheinlich besser sich für das Hochformat zu entscheiden. Denn dann kannst du den Bildausschnitt viel sinnvoller mit deinem Motiv füllen. Geht dein Motiv hingegen mehr in die Breite wie zum Beispiel eine Stadtsilhouette, so bist du mit einem Querformat Bild besser bedient. Denn im Hochformat würdest du gar nicht alles aufs Foto bekommen.

Weniger ist mehr!

Neben der Wahl der richtigen Ausrichtung macht es ebenfalls einen Unterschied, ob du dein gewünschtes Motiv mit einem Weitwinkelobjektiv oder einem Teleobjektiv aufnimmst.  Während du bei einem Weitwinkelobjektiv viel mehr Umgebung mit aufs Bild bekommst und deine Bildmittelpunkt mehr in den Hintergrund rückt, kannst du mit einem Teleobjektiv den Blick direkt auf ein gewünschtes Objekt oder Ziel lenken. Wichtig ist dabei die Entfernung zum Motiv. Während du bei der Verwendung eines Weitwinkelobjektivs nahezu unmittelbar vor deinem zu fotografierenden Objekt stehen kannst, musst du bei der Verwendung eines Teleobjektives je nach Länge der verwendeten Brennweite eine gewisse Entfernung zum Objekt haben. Während bei uns unter Verwendung eines Weitwinkelobjektiv oft der gesamte Inhalt eines Bildes zum Gesamteindruck beiträgt und wir bis in die Bildecken alles penibel genau ausrichten, möchten wir unter Verwendung eines Teleobjektives den Blick des Betrachters oft nur auf einen Punkt lenken, während die Umgebung nicht unbedingt zum Gesamteindruck des Bildes beiträgt.  Das ist aber oft auch der Ursache geschuldet, dass wir beim Fotografieren mit einer Brennweite von Beispielsweise 400mm gar nicht die Möglichkeit haben, bestimmte Bereiche im Bild anders zu positionieren, da diese einfach zu weit entfernt sind. Fotografieren wir hingegen mit einem Weitwinkelobjektiv, so versuchen wir immer auch die umliegenden Bereiche eines Bildausschnitts so im Bild zu positionieren, das sie zu einem schöneren Gesamteindruck beitragen.

Der Goldene Schnitt:

Hast du dich für einen passenden Bildausschnitt entschieden, geht es auch schon an die Wahl der richtigen Perspektive. Oftmals reichen schon ein paar Schritte nach links, rechts, vorn oder hinten aus, um deine Perspektive um einiges spannender zu gestalten und den Blick des Betrachters länger auf deinem Bild zu halten.  Neben dem passenden Bildausschnitt und der richtigen Perspektive spielt es ebenfalls eine große Rolle, wie dein Bildwichtiges Element im Motiv aufgeteilt ist. Bei dieser Aufteilung und der Vereinigung von Bildausschnitt und Perspektive des Bildes spricht man vom sogenannten Goldenen Schnitt oder der Drittelregel.  Hierbei unterteile gedanklich die Breite und Höhe des Bildes mit je zwei Linien in jeweils drei Teile so dass du neun Felder erhälst. Positionierst du den Bereich auf den der Blick gelenkt werden soll nun auf den Kreuzungspunkten einer horizontalen und einer waagerechten Linie, erhälst du einen Bildausschnitt nach dem Prinzip des goldenen Schnittes. Wird der Blick des Betrachters deines Fotos auf diesen Punkt gelenkt welcher im Goldenen Schnitt aufgeteilt ist, so wirkt das anschauen des Bildes für ihn sehr angenehm.

Hinweisen Die meisten Kameras können die Hilfslinien des Goldenen Schnittes bereits auf dem Display und im Sucher einblenden. Schaue einfach mal in den Kameraeinstellungen nach einer Display Einteilung.

Vordergrund macht Bild gesund:

Fotografierst du eine nächtliche Landschaft oder Stadtansicht, spielt sich der Hauptbestandteil deines Bildes meistens im Hintergrund ab. Wenn es dir Möglich ist, in diesen Bildausschnitt zusätzlich noch einen Vordergrund oder Mittelgrund einzubauen, so wird es die Ansehnlichkeit deines Bildes weiter steigern.  Möchtest du Beispielsweise ein beleuchtetes Haus auf der anderen Uferseite eines Flusses oder eines See fotografieren, so kannst du deine Perspektive so gestalten, das sich im linken oder rechten Bereich deines Bildausschnittes etwas Schilf oder ein Bootssteg befindet und am unteren Bildabschnitt ein paar große Steine liegen. Dieses Schilf oder der Bootssteg und die Steine würden dann den Vordergrund deines Bildes darstellen. Sollte das mal nicht ganz so perfekt klappen wie du es dir vorstellst, kannst du dir auch selbst Abhilfe verschaffen, indem du ein paar große Steine im Bildausschnitt positionierst.

Spiegelungen:

Gelingt es dir dann zusätzlich noch die Spiegelung der Gebäude in der Wasseroberfläche des Flusses oder See in dein Bild einzubauen, so konntest du alle Tipps zur richtigen Bildgestaltung umsetzen um dein Bild noch ausdrucksstärker als andere zu gestalten. Das untere Foto entstand zwar nicht im dunklen, es verdeutlicht aber eindrucksvoll, wie enorm man die Bildwirkung steigern kann, wenn man mal in die Hocke geht um die Spiegelung deiner Pfütze mit ins Bild zu nehmen.

00330

Belichtung: 1/125 Sekunden, ISO 100, Blende: f1.4, Brennweite: 24mm (verwendetes Objektiv)

Auch mal in die Hocke gehen:

Spannende und ungewöhnliche Perspektiven machen dein Bild zu einem Hingucker. Experimentiere daher einfach mit dem Bildausschnitt und der Perspektive und versuche ruhig mal das Ungewöhnliche. So kann sich eine Straße oder Gasse aus der Froschperspektive zum perfekten Nachtbild verwandeln. Gehe daher auch mal in die Hocke und entdecke vollkommen neue Perspektiven. Gerade bei Regen bzw. feuchten Böden lohnt es sich, das Motiv auch mal direkt über dem Boden zu fotografieren. Denn so baust du Spiegelung in dein Foto ein, welche im Stand dir völlig verborgen geblieben wären. Lege die Kamera einfach mal vor einer Pfütze oder Wasserfläche wie einem Flussufer auf den Boden. Achte aber darauf, dass die Kamera fest steht und nicht wackelt um bei längeren Belichtungszeiten keine Verwacklungen auf dem Foto zu haben. Eine Stadtkulisse bei Nacht sieht so doch gleich viel eindrucksvoller aus. Denn die Gebäude und Lichter reflektieren deutlich im Wasser.

Mache das Beste draus:

Manchmal besitzt ein Motiv aber gar keinen verwendbaren Vordergrund da du beispielsweise von einem höheren Fotostandpunkt auf dein Motiv herab schaust oder sich einfach in deinem Bildausschnitt kein verwendbarer Vordergrund einrichten lässt. In solchen Fällen versuchen wir die Kulisse die uns eine Umgebung bietet, optimal im Bildausschnitt auszurichten. Verläuft beispielsweise eine Straße oder eine Baumreihe quer durch das Bild und verlässt den Bildausschnitt irgendwo im Motiv, so wirkt das Bild für einen Betrachter oft unruhig obwohl er das bewusst so vielleicht gar nicht wahrnimmt.  Richte die Straße oder Baumreihe  im Bildausschnitt daher so aus, dass sie genau in eine der Bildecken verläuft. So wirkt das ganze Bild gleich viel harmonischer. Hier solltest du jedoch immer auch auf die Gesamtstimmung deines Bildes achten und gegebenenfalls deine Perspektive so anpassen, das alles harmonischer wirkt. Das untere Beispiel zeigt, wie nützlich es sein kann, sich ein paar Sekunden Gedanken um den Bildausschnitt zu machen. Denn im rechten unteren Bereich befand sich eine störende Baustelle. Wir überlegten, wie man diese am besten verstecken kann. Dabei fielen und die Bäume ins Auge. Flink wurde die Kamera neu ausgerichtet und die Bäume in die rechte Ecke platziert. Die Baustelle war nun verdeckt und die Bäume sorgten zudem noch für einen schönen Vordergrund.

00356 | Nebelschwaden ziehen an einem milden Winterabend durch die Stadt

Belichtung: 25 Sekunden, ISO 100, Blende: f8.0, Brennweite: 40mm (verwendetes Objektiv)

Anfangs steckt man sehr viel Zeit in die richtige Wahl des Bildausschnittes, hast du dir aber die Regeln für ein optimal aufgeteiltes Bild verinnerlicht, so suchst du dir speziell danach dein nächstes Motiv aus und es fällt dir dann schon gar nicht mehr so schwer einen spannenden Bildausschnitt zu finden.  Um dein gewünschtes Foto jetzt so umzusetzen wie du es dir vorstellst, gibt es noch ein paar Sachen bei den Einstellungen zu beachten. Mit den unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten für Blende, Verschlusszeit oder Weißabgleich gelangst du teilweise zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Alle diese Faktoren spielen beim Erstellen einer schönen Nachtfotografie eine große Rolle.

Die richtige Perspektive:

In der Fotografie ist alles immer eine Frage der richtigen Perspektive. Genau das macht die Fotografie so spannend. Denn du kannst mit der richtigen Perspektive ganz besondere Momente festhalten. Das selbe Foto vom selben Motiv zur selben Zeit mit einer langweiligen Perspektive wirkt eher wie ein schnelles Knipserfoto. Wenn du dich aber an die oben genannten Regeln hältst bzw. versuchst den einen oder anderen Tipp umzusetzen, wirst du schnell merken, dass alles mit der richtigen Perspektive gleich viel schöner aussieht.

Belichtung: 1/6 Sekunden, ISO 100, Blende: f22.00, Brennweite: 35mm (verwendetes Objektiv)

Bei dem oben zu sehenden Foto zur Goldenen Stunde fuhren wir die Kamera mit Hilfe unseres Statives direkt in die Krone des blühenden Kirschbaumes. Dadurch erzielten wir einen tollen Effekt da die nah am Objektiv befindlichen Blüten in einer sanften Unschärfe verschwanden. Damit nicht alle Blätter unscharf werden, mussten wir die Blende sehr weit schließen.

Check-Karte:

Bilder sagen mehr als Tausend Worte. Daher gibt es hier eine kleine Checkkarte von uns. Diese verdeutlicht dir an kleinen Bildchen, wie das Zusammenspiel zwischen ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit funktioniert. Auf der Rückseite findest du die wichtigsten Tipps kurz zusammengefasst.

In erster Linie unterstützt du damit diesen Artikel und bedankst dich für die wohl möglich größte kostenlose Sammlung zu diesem fotografischen Themengebiet. Der Kauf ist daher als ein Dankeschön zu betrachten. smile

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